Mittwoch, 13. Februar 2013; 15:30
NLA

Kann Volley Näfels bei Pallavolo Lugano etwas ausrichten?

Von: Rolando K. Küng

Volley Näfels muss gerade jetzt ausgerechnet zu Spitzenreiter Pallavolo Lugano. Die Ticinesi, so scheint es, sind gegen Näfels immer besonders motiviert und haben die Polak-Truppe auch nie unterschätzt. So haben sie bisher immer klar gewonnen und ein Sieg zuhause wäre auch diesmal nur normal.

 

Seit Oktober 2011 konnte Volley Näfels gegen Pallavolo Lugano nie mehr gewinnen. Damals holten die Glarner ein 0:2-Rückstand noch auf und gewannen auch das Tiebreak. Der damalige Trainer, Roberto Tietz, trug mit seinem unorthodoxen Coaching viel zur Niederlage bei. Wenig später wurde er durch Johan Verstappen ersetzt. Der Holländer gewann das Spiel in der Linth Arena mit seinem Lugano, nachdem sich Dalibor Polak bei einem Angriff verletzt hatte und ausschied. Und seither behielt Pallavolo Lugano immer die Oberhand über Näfels. Inzwischen heisst ja Luganos Trainer Mario Motta und auch fast alle Spieler tragen andere Namen. Auf diese Saison hat ein grosser Wechsel stattgefunden. Der neue Namenssponsor heisst jetzt EN Gas & Oil, welcher auch in den Fussball und ins Eishockey investiert. Der Blick auf das breite Kader mit vorwiegend ausländischen Spielern lässt vermuten, dass Geld zur Zeit bei Pallavolo Lugano reichlich vorhanden ist.

 

Das Dutzend Siege ist voll

Nach dem verpassten Meistertitel im letzten Frühjahr, will Lugano diesen jetzt unbedingt. Die Ticinesi sind seit 12 Spielen ungeschlagen und stehen auch im Cupfinal. Nur gerade Volley Amriswil und CS Chênois gelang es, Pallavolo zu schlagen. Beides waren Fünf-Satz-Spiele in welchen der Gegner sehr gut und Lugano bestenfalls mittelmässig spielte. Das zeigt dass man auch dieses Winner-Team mal auf dem linken Fuss erwischen kann. Aber eben, die letzte Niederlage datiert von Anfang November. Seither hat die Squadra-Motta keinen einzigen Punkt mehr abgegeben. Und so ist auch die Favoritenrolle in diesem Spiel klar zugeteilt. Aber das war sie in den vergangenen zwölf Spielen ja auch und die Südschweizer wurden ihr jedesmal gerecht.

 

Den Jungen jetzt eine Chance geben

Volley Näfels hat nach der zweiten Niederlage der Playoffrunde gegen Volley Amriswil nur noch sehr geringe Chancen auf eine Finalqualifikation. Wäre es eine knappe gewesen, könnte man von einer schlechten Tagesform sprechen, Verständnis haben und weiter hoffen. Leider war es das aber nicht. "Die Mannschaft zeigte ein konzeptloses Spiel ohne Feuer und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen", analysierte ein mehr als unzufriedener Präsident Martin Landolt nach dem Spiel. "Jetzt wütend zu sein nützt nichts mehr, die Spieler hätten während des Matches Emotionen zeigen müssen", ortete der Präsident das Hauptübel. Es fehlte der Leader, welcher Dalibor Polak schon so oft sein konnte um die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Diesmal riss aber auch er nichts. "Jetzt braucht es eine Sonderleistung, wer weiss eines der jungen Spieler wie Samuel Ehrat oder Nico Beeler, welche in einem Match über sich hinauswachsen können". So hofft Martin Landolt. Aber dazu müssen die beiden erst einmal eingesetzt werden. Vielleicht müssen die Verantwortlichen ihre Strategie überdenken und das Coaching ändern. Im Hinblick auf die Zukunft der jungen Spieler und ihrer Entwicklung, sollte diesen ab sofort die Möglichkeit gegeben werden, Verantwortung zu übernehmen. Und zwar so, dass sie auch noch versagen dürfen - also ohne übermächtigen Druck. Es winkt in dieser Quali-Runde die Chance für sie, in schweren Spielen zu wachsen. Eine Chance, welche man hier zum Beispiel einem Marc Walzer zu wenig gegeben hat. Prompt ist dieser ausgezogen und steht nun bei Volley Amriswil in der Stammformation. Die entscheidende Zeit in seiner Ausbildung hat er aber sicher bei Volley Näfels verbracht, ohne hier aber wirklich die Chance erhalten zu haben, sich über eine ganze Saison zu profilieren. Ehrat und Beeler haben beide das Potenzial und es wäre jammerschade wenn ihr Weg noch einmal der selbe wäre wie derjenige von Walzer. Volley Näfels kann es sich nicht leisten für andere NLA-Vereine Spieler auszubilden.

 

Etwas wagen

Es ist ja augenkundig dass die Formkurve von Volley Näfels nach unten zeigt. Nur nach dem Prinzip Hoffnung weiterzuspielen bringt nichts. Realistischerweise sind die Chancen auf den zweiten Platz in der Playoff-Runde praktisch nicht mehr vorhanden. Das ist doch genau der richtige Moment, jetzt umzustellen und auf die Jungen zu setzen. Auch Ugi Ilic soll mehr Spielzeit erhalten. Nur so lernt er, sich über ein ganzes Spiel durchzubeissen. Hat der erst einmal genug Selbstvertrauen, wird er seinem Team noch sehr viel Freude bereiten. Und wenn sich Libero Dani Werner nicht gut fühlt, kann auch er ersetzt werden. Manuel Sutter wurde ja für diesen Job ins Team geholt. So besteht durchaus die Chance, dass sich etwas bewegt und ein Ruck durchs Team geht. Andernfalls besteht das Risiko auf dem 5. oder 6. Platz zu landen - also auf der Endstation - und dies ohne wenigstens noch etwas versucht zu haben.

 

 

Playoff-Runde, Spiel 4: EN Gas & Oil Lugano vs Volley Näfels,
Donnerstag, 14.02.13 um 20:00h in der Palestra Palamondo in Cadempino TI

Foto: Köbi Hefti - So wirds gemacht! Ugi Ilic setzt sich auch gegen einer 3-er Block von Pallavolo Lugano durch