Samstag, 23. März 2013; 20:33
NLA

Jetzt hat Volley Näfels auch Lugano geknackt

Von: Rolando K. Küng

Volley Näfels hat die Spielfreude wiedergefunden, zeigt ein begeisterndes Spiel und ringt Cupsieger Lugano im Tiebreak nach Rückstand noch nieder. Mit diesen zwei Punkten bleiben die Näfelser weiterhin im Rennen um einen Platz zur Teilnahme an den Europacupspielen der kommenden Saison. Sie können die Teilnahme um Bronze weiterhin aus eigener Kraft erreichen.

 

 

Nach der knappen Niederlage gegen Lugano vor Monatsfrist, gelang der Polak-Truppe nun endlich auch ein Sieg gegen den Cupsieger und Meisterschaftsfavoriten. Damit rückt Näfels das leistungsmässige Ungleichgewicht wieder ein Stück näher zur Mitte. Dahin wo es eigentlich hingehört und eine zeitlang meilenweit davon entfernt zu sein schien. Jetzt aber ist nicht nur die Spielfreude zurück, noch besser, Näfels kann auch gegen Gegner vom Kaliber eines Lugano wieder gewinnen.

 

Näfels spielt mit vier Schweizern durch

Von Anfang an sah man, dass die Spieler voll bei der Sache waren und Zlatko Pulko zeigte mit seinem Service den Ticinesi gleich mal wo es lang geht. Er buchte drei Punkte hintereinander mit seinen Service-Flugeinlagen und dies verlieh nicht nur ihm, sondern allen seinen Mitspielern ebenfalls Flügel. Zwar hielt der MVP der Saison 12/13, Felipe Banderó mit seiner Serie am Service ebenfalls dagegen, aber Näfels behielt trotz des zeitweiligen Aufholens der Dragons in jeder Phase die Kontrolle in diesem Satz. Ugi Ilic spielte auf der Diagonalposition durch und steuerte mit seinen Angriffen viele wertvolle Punkte bei. Zum Satzende wurde es, nach zwischenzeitlich klarer Führung mit bis zu fünf Punkten, noch einmal spannend. Ugi Ilic buchte mit einem Einerblock auf Mariano den Satzball. Doch Lugano stellte dank zwei Punken von Aguilera und einem Service-Winner von Banderó zum 24 für beide. Gygli kam für Bedrac wieder zurück aufs Feld und gab den nächsten Angriffsball Nico Beeler welcher diesen versenkte. Der Punkt zum ersten Satzgewinn folgte sogleich. Mit einem sehenswerten 3-er Block holten die beiden Ilic's zusammen mit Beeler Lugano's Banderó brutal herunter. Dieser zeigte sich genervt und entwickelte mit zunehmender Dauer des Spiels nicht mehr die gewohnte Power im Angriff und beim Service, was mit ein Grund war für die Niederlage der Südschweizer.

 

2:0-Vorsprung ist komfortabel

Der zweite Satz verlief sehr ähnlich wie der erste. Mit dem Unterschied dass Volley Näfels den wiederum zeitweise grossen Vorsprung diesmal über die Runden brachte ohne noch wirklich zittern zu müssen. So waren die Chancen intakt, an diesem Nachmittag sogar die vollen drei Punkte zu holen. Was aber in der Pause dem einen oder andern Spieler deutlich bewusst wurde und er so in der Folge nicht mehr ganz so befreit aufspielen konnte. Dies war vielleicht auch der Grund, weshalb Lugano, mit Mühe zwar, aber doch Satz drei für sich entscheiden konnte. Mal einen Angriffsfehler, mal einen Servicefehler durch die Näfelser und der in dieser Phase sehr effiziente Manassero machten Unterschied.

 

Den Sieg vor Augen - Näfels zittert

Ein Satzverlust lag ja drin, wollte man die vollen drei Punkte auf das Näfelser-Konto buchen. Ein zweiter wäre aber einer zuviel, denn dann vergab man nicht nur einen Punkt, sondern riskierte auch noch den zweiten zu verlieren. Und genau dies war nun in den Köpfen der Polak-Truppe drin, welche zwar gut mitspielte, aber vielleicht beim einen und andern knappen Ball die Kompromisslosigkeit der beiden Startsätze vermissen liess. Ugi Ilic wurde zum 20:20 durch Mariano und Aguilera geblockt. Trotzdem oder gerade deswegen gab ihm Passeur Gygli auch den nächsten Ball. Ilic schlug mit diesem Angriff fast ein Loch in den Hallenboden, dermassen hart dreschte er drauf und sein Jubel war entsprechend gross. Und wäre der versuchte Netzkanten-Service von Pulko jenseits statt diesseits des Netzes gelandet, die Sache wäre wohl gelaufen gewesen und ein 3:1-Sieg Tatsache. So aber verloren die Näfelser kurzzeitig die Konzentration. Je ein Angriffsfehler von Beeler (auch er spielte endlich wieder einmal durch) und Pulko brachte Gegner Lugano zum Satzball. Nicht den ersten, aber den zweiten verwandelte Aguilera (Mex) über die Mitte zum 2:2-Ausgleich nach Sätzen.

 

Mental starke Näfelser spielen Sieg heim

Die Chancen auf einen Sieg waren nun, zumindest statistisch gesehen, nicht mehr sehr hoch zumal gegen das stärkste Team der Schweiz und den vielen Niederlagen in Tiebreaks der letzten Zeit. Aber nach der knappen Auswärtspleite in Lugano hatte ja die Polak-Truppe noch eine Rechnung offen. Und so spielten die Näfelser wieder frisch von der Leber weg und lagen schnell mit 6:3 vorne. Und ebenso schnell machten die Dragons diesen Rückstand wett. Jetzt folgte ein offener Schlagabtausch. Beim Stand von 12:11 nahm Trainer Mario Motta bereits das zweite Time-out. Und es nützte, denn bald nachher kam Lugano durch Banderó zum ersten Matchball. Diesen wehrte Pulko mit einer Pipe in extremis ab. Es stand nun 14 Punke für beide. Lugano kam durch sein Sideout zum zweiten Matchball, doch auch dieser wurde - diesmal durch Beeler - zunichte gemacht. Durch einen gut stehenden Block wurde Banderó zu einem Angriffsfehler gezwungen und so kamen Gastgeber Näfels zu seinem ersten Matchball. Näfels war dem Sieg nun sehr nah. Dank zwei weiteren Angriffen über die Mitte durch Ehrat und Stefan Ilic sowie einem weiteren Punkt durch Pulko stand es nun 19:18 und der Slowene kam zum Service. Es zeugt von seiner mentalen Stärke und sehr guten psychischen Verfassung, in welcher er sich nun wieder befindet, dass er keinen Moment zögerte und noch ein letztes Mal eines seiner Service-Geschosse auspackte. Dieses brachte den wichtigen Sieg, welcher von den leider viel zu spärlich erschienen Zuschauern frenetisch bejubelt wurde.

 

Da auch der TV Schönenwerd und CS Chênois ihre Spiele im Tiebreak gewannen, hat sich die Lage nicht verändert. Alle drei Teams haben zwei Punkte geholt und so wird die Entscheidung über die Teilnahme am kleinen Playoff-Finale auf die letzte Runde vertagt. Diese findet am nächsten Mittwoch statt und Volley Näfels fährt nach Dänikon um dort auf den TV Schönenwerd zu treffen. Holt Näfels dort drei Punkte kann es die Serie um Bronze zuhause beginnen. Und an etwas anderes wollen die Spieler gar nicht denken und wir auch nicht.

 

Matchtelegramm

 

Palazzo dello Sport Bucholz, Glarus, 23. März 2013, 15:00 Uhr

Spieldauer: 134 Minuten  

Zuschauer: 111

 

Volley Näfels - EN Gas & Oil Lugano 3:2 (26:24, 25:22, 23:25, 23:25, 20:18)

 

Volley Näfels:

Gygli (Passeur), Werner (Libero), Ehrat, Beeler, Pulko, Stefan Ilic, Ugi Ilic; Büsser (Captain), Kankaapää, Dalibor Polak, Sutter, Bedrac

Coach: Dalibor Polak

 

EN Gas & Oil Lugano:

Rodnan und Garnica (Passeur), Gelasio (Libero), Mariano, Manassero, Aguilera, Hubner (Captain), Banderò, Beggiolin; Jockovic, Savic, Lehtonen verletzt

Coach: Mario Motta

1.     SR: Tschumi

2.     SR: Loretan

Foto: Köbi Hefti - Nico Beeler hat Toni Kankaanpää ebenbürtig ersetzt und eine gute Leistung gezeigt