Samstag, 8. September 2007; 16:47
Allgemein

Ivan, du hast kleine Füsse also wirst du Passeur!

Von: Rolando K. Küng

Ivan Bedrac, der Näfelser, ist seit langem wieder der erste Junior aus eigenen Reihen, welcher den Sprung in die Stammformation des Serienmeisters aus dem Glarner Unterland geschafft hat. Bald wird er 23 Jahre alt, verfügt aber volleyballerisch bereits über eine mehr als zehnjährige Erfahrung. Von der Pieke auf hat er in der Volleyballschule des damaligen MTV Näfels das Handwerk gelernt und dank viel Talent und grossem Willem steht er nun im Rampenlicht. Dank eines grosszügigen Arbeitgebers und einem 60% Pensum, kann er die Doppelbelastung bewältigen

Bild: rkk-Ivan Bedrac der neue Passeur hervorgegangen aus der eigenen Juniorenbewegung des MTV Näfels


Bedrac, kein typischer Näfelser Name?

IB: Ich bin Doppelbürger. Mein Vater stammt ursprünglich aus Slowenien. Längst aber ist er Schweizer und ich selbst bin hier geboren. Meine Mutter ist auch Schweizerin. Ich verstehe Slowenisch einigermassen, spreche es aber fast nicht. Zuwenig fahre ich zu unseren Verwandten, durch das Volleyball bleibt nicht viel Zeit dazu. Hier in Näfels habe ich nebst meinen Eltern auch noch meinen Zwillingsbruder.  Meine ältere Schwester ist bereits ausgezogen.

 

 

Wie kamen Sie eigentlich zum Volleyball?

IB: Alle meine Kollegen fingen damit an und so ging ich halt ebenfalls mit in die Volleyballschule.

 

 

Wie wurden Sie Passeur?

IB: Mein damaliger Trainer, ein Finne, musterte mich von Kopf bis Fuss, sah meine kleinen Füsse und hielt fest dass ich bei diesen Füssen wohl nicht so gross werden würde, also sollte ich das Handwerk des Passeurs erlernen. Und er sollte recht behalten, nun bin ich 1.86m und das würde zum Angriffspieler in der NLA nicht reichen.

 

 

Und warum spielen Sie bis heute Volleyball?

IB: Viele meiner Kollegen spielen ebenfalls auch heute noch Volleyball. Ich verbinde auf ideale Weise meine Sozialkontakte mit dem Sport.

 

 

Wenn man so lange dabei bleibt, muss man ja gut werden!

IB: Wenn man durchhält und nicht aufgibt, kann es so mancher schaffen. Aber viele Junge mit Talent haben einfach nicht genügend lang insistiert.

 

 

Sind Sie nun eine Art Wegbereiter für andere Junioren?

IB: Die Chance war immer da im Klub ganz nach oben zu kommen. Viele wollten es ganz einfach nicht, der Aufwand war ihnen zu gross und der Weg zu weit. Aber gerade jetzt, mit Nationaltrainer Bolle, ist doch die Gelegenheit bei vollen Einsatz sich in den Vordergrund zu drängen und zu zeigen. Wer es wirklich will, bekommt seine Chance.

 

 

Es gab vor ein, zwei Jahren einige die frustriert den Klub verlassen haben.

IB: Für die wirklichen Talente ist es schade. Aber es gab halt doch einige die zwar den Aufstieg ins Fanionteam gerne gewollt hätten, aber entweder spielerisch nicht genügten, oder eben nicht genug Geduld hatten.

 

 

Wie war für Sie die letzte Saison als zweiter Passeur?

IB: Natürlich hätte ich gerne und oft mehr gespielt, das brauchte auch viel Geduld. Aber der Trainer entscheidet und solange man gewinnt, muss er ja auch nicht wechseln. Ich hatte ein gutes Verhältnis mit Marco Bär und wir gönnten einander gegenseitig die Einsätze. Es ist aber nicht so, dass ich mich als Passeur unter seinem Level fühlte. Es gab praktisch keinen Unterschied mehr zwischen uns. Einige Spieler spielten lieber mit mir, andere wieder eher mit Bär.

 

 

Sie gelten als sehr kreativ.

IB: Ich riskiere gerne einiges um meine Spieler in die beste Abschlussposition zu bringen. Es liegt mir, Unerwartetes zu machen. Gerade die Brasilianer lieben das kreative Element in meinem Spiel. Wenn wir schon eine gute Mitte zur Verfügung haben, dann müssen wir diese auch nutzen. Das Risiko ist sicher etwas höher über die Mitte, aber dafür auch das Überraschungsmoment grösser.

 

 

Jetzt kommt die grosse Verantwortung. Wie gehen Sie damit um?

IB: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich bin eigentlich ein unbeschwerter Typ und mache mir da nicht zuviele Gedanken. Klar hat jeder mal einen schlechten Tag, aber es bringt nichts, zuviel darüber zu hirnen. Schlechte Spiele muss man ganz einfach abhacken.

 

 

Und wenn ein Spiel durch eine schwache Leistung verloren geht?

IB: Wir sind ein Team. Da ist jeder für den andern da und versucht ihm zu helfen. Es stehen keine Superstars in der Mannschaft. Keiner hat Allüren und jeder stellt sich in den Dienst der gemeinsamen Ziele.

 

 

Also hatte das Management mit den neuen Spielern eine glückliche Hand?

IB: Ganz sicher. So wie das jetzt aussieht, werden wir sicher zu einem starken Team zusammenwachsen. Ich freue mich auf jeden Fall ganz toll auf die kommende Saison.

 

 

Wie war Ihre Reaktion als Sie gefragt wurden ob Sie der Stammpasseur werden wollten?

IB: Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Vermutet habe ich es schon vorher, aber als es dann konkret wurde, ging für mich ein Bubentraum in Erfüllung.

 

 

Was wäre gewesen, hätte man Ihnen einen Passeur vor die Nase gesetzt?

IB: Schwierige Frage. Ich hätte erst geschaut wer es ist und dann entschieden zu gehen oder zu bleiben.

 

 

Sie spielten ja bereits eine ganze Saison als Stammpasseur.

IB: In der Tat stand ich vor zwei Jahren im Team von Voléro Zürich und spielte die ganze Saison voll durch. Wir wurden sechste. Ich habe viel gelernt in diesem Jahr und profitiere sicher auch heute und gerade jetzt davon.

 

 

Die Vorgaben des Klubs ist die Verteidigung aller drei Titel. Haben Sie Angst vor solch hohen Zielen?

IB: Wenn man bei Näfels spielt, kann man eigentlich gar nichts anderes erwarten. Bei Vertragsunterzeichnung muss einem das ganz klar sein. Wie es scheint, wird die diesjährige NLA-Saison sehr ausgeglichen verlaufen. Einige Teams haben stark aufgerüstet und so wissen auch wir, was wir zu tun haben. Ich glaube aber dass wir diese Vorgaben erfüllen können.