Montag, 17. November 2008; 13:09
Allgemein

In Lugano holte Näfels' zweite Garde die Kohlen aus dem Feuer

Von: Rolando K. Küng

Mit dem 3:2-Sieg (22:25, 25:17, 22:25, 25:22, 15:7) in Lugano zementierte Näfels den 3. Platz in der Tabelle und hat es selbst in der Hand, diese Platzierung mit einer guten Rückrunde zu halten.

Anfang Oktober hatte sich Näfels gegen Lugano noch einen nach Sätzen klaren 3:0-Sieg erspielt. Damals waren die Sätze zwei und drei umstritten gewesen und die Tessiner hätten zumindest einen Satz gewinnen können. Am letzten Samstag mussten die Näfelser zwei Sätze abgeben, was einer zu viel war. Hätten nämlich die Näfelser im dritten Satz das spielerische Niveau aus dem zweiten Umgang gehalten, wären die Luganesi mit einer 1:3-Niederlage vom Feld gegangen. Es war aber offensichtlich, dass Lugano im vierten Satz sehr darauf hoffte, diesen gewinnen zu können. Doch die Hoffnung allein war nicht genug, denn nach dem Ausgleich bei 21 Punkten spielte nur noch Näfels. Und ganz genau so oder noch klarer spielten sie unter glänzender Regie des zweiten Passeurs Marco Gygli das Tiebreak nach Hause. Nach Satz vier fehlte dem Drachen aus Lugano Luft, Feuer und Rauch und die Spieler unter dem Coaching von Philippe Tomasetti klappten richtiggehend zusammen.

 

Carvalhos' glückliches Händchen

Näfels-Trainer Léo Carvalho machte in Lugano wieder alles richtig. Schon früh sah er, dass Passeur Bedrac nicht seinen besten Tag hatte und nahm ihn bereits in einem der ersten Time-outs in die Zange. Es war nicht zu verstehen, was der Trainer seinem Passeur sagte, zu hören aber bis auf die gegenüberliegende Tribüne. Nach einem ersten Versuch in Satz eins mit dem Wechsel von Bedrac auf Gygli entschloss sich Carvalho kurz nach Beginn des dritten Satzes endgültig, auf die Karte Gygli zu setzen. Auch auf der Diagonalposition zog er es vor, den in letzter Zeit erfolgreichen Fabian Brander nicht im Spiel versauern zu lassen. Brander hatte für einmal eine durchzogene Partie, und obwohl Bruno Amorim noch immer mit seiner Wadenmuskulatur kämpft, wurde er in den ersten drei Sätzen punktuell eingewechselt. Im dritten Satz verpasste Brander beim Stand von 15:16 einen sogenannten Penalty, das heisst, er kam am Netz ohne Block frei zum Smash, setzte diesen aber über die Grundlinie hinaus ins Out. Das nervte nicht nur ihn, sondern auch die wenigen Glarner Zuschauer und noch viel mehr den Trainer. Er sah, dass Brander wieder eine kreative Pause brauchte, und da der erneut eingewechselte Bruno nun immer besser ins Spiel kam, liess er ihn durchspielen.


Der Brasilianer dankte es seinem Trainer mit einer feinen Leistung in Satz vier und fünf. «Bruno erreicht im Moment nur gerade 75 Prozent seines Könnens», meinte Carvalho nach dem Spiel. Fabian Brander wäre eigentlich Annahmespieler und darf hoffentlich auch schon bald auf seine Stammposition zurück, wenn Bruno wieder voll einsatzfähig sein wird. Mittelblocker Silvio zeigte mit zunehmender Dauer ebenfalls Schwächen und wurde folgerichtig durch seinen Landsmann Marcelo Duarte «Tchello» ersetzt. Dieser spielte ein starkes Tiebreak und zeigte sich ebenfalls auf der Höhe seiner Aufgabe. So standen im Entscheidungssatz mit Gygli, Tchello und Bruno drei Spieler auf dem Feld, die bisher noch nie gleichzeitig in eine Spielentscheidung eingreifen mussten. «Einen fünften Satz hätte es heute überhaupt nicht gebraucht, aber wir haben vorher nicht so gespielt, dass wir das Spiel auch in vier Sätzen hätten gewinnen können. Mit dieser Leistung hätten wir aber weder gegen Amriswil noch gegen Chênois eine Chance gehabt.» Dies der Kommentar von Trainer Carvalho, der sich zwar über die zwei Punkte freute, nicht aber über die vielen Fehler. Bei der Spielbesprechnung werde er aber auch diesmal wieder klar die immer noch vorhandenen Schwächen aufdecken.

 

Begeisterter Vater Gygli

«Die Einstellung und kämpferische Leistung war hervorragend», lauteten die anerkennenden Worte von Manager Ruedi Gygli. Obwohl er auf die Mannschaftsaufstellung nie Einfluss nimmt, hat ihn natürlich die Leistung von Sohn Marco sehr gefreut: «Ich bin stolz auf sein Spiel. Er hat intelligent gespielt», resümierte Vater Gygli. Tatsächlich war erstaunlich, wie cool der junge Passeur auftrat und wie rasch er sich im Spiel zurechtfand. Sein Auftritt in Lugano verdient Respekt.

 

Näfels beginnt zu rechnen

«Nun muss es uns gelingen, Lausanne auf Distanz zu halten, damit wir den Platz in der Tabelle behalten können», fordert Ruedi Gygli nach dem fünften Sieg im achten Spiel. Zwar spielt Näfels gegen Chênois und Amriswil noch auswärts, dafür aber gegen Lausanne UC zu Hause in Glarus. Selbstredend ist bei dieser Rechnung, dass sich die Näfelser weder gegen Sursee und Münsingen zu Hause noch gegen Andwil-Arnegg auswärts einen Ausrutscher leisten. Dazu scheint das Team nach dem Sieg in Lugano aber bereit, zumal es jetzt bewiesen hat, dass auch der Verlust von Satz drei nicht mehr unbedingt schon die Niederlage bedeuten muss wie noch in der Vorrunde.