In einer Saison vom "Loser" zum Titelhamsterer gemausert
Als Marco Bär vergangenen Sommer vom TV Amriswil zu Näfels wechselte, hatte er noch keinen einzigen Titel gewonnen. Nun, eine Saison später, darf er sich mit sämtlichen nationalen Trophäen schmücken.
Der Wechsel von Nationalmannschafts-Passeur Marco Bär zum Schweizer Top-Verein Näfels stellte sowohl für den Spieler als auch für den Verein Neuland dar. Denn Näfels hatte in den vergangenen, so erfolgreichen, Jahren (acht Titel in den letzten zehn Jahren) jeweils auf einen ausländischen Zuspieler gesetzt und schenkte nun erstmals wieder einem Schweizer das Vertrauen. Auf der anderen Seite war es für Marco Bär nach vielen Jahren als Amateur die erste Saison als Volleyball-Profi. Seit dem Gewinn des Meistertitels, den Näfels dank dem vierten Sieg vom letzten Mittwochabend realisieren konnte, steht fest: Der Mut, etwas Neues auszuprobieren, zahlte sich für beide Parteien aus.
Trainingsaufwand wurde belohnt
"Ich bin total happy, endlich meinen ersten Schweizer Meistertitel gewonnen zu haben. Mit diesem Triumph fand eine äusserst erfolgreiche, aber auch sehr harte Saison einen würdigen Abschluss", lautete Marco Bärs Bilanz einen Tag nach dem finalen Sieg über seinen Ex-Verein Amriswil, mit dem er zuvor in fünf Cupfinals und einem Playoff-Final jeweils als Verlierer vom Feld musste. Nach zähem Kampf habe sich mit Näfels sicherlich das richtige Team durchgesetzt und sich letztlich auch der enorm grosse Trainingsaufwand, der bei Näfels betrieben werde, ausbezahlt. "Wir waren Amriswil mit zunehmender Dauer physisch immer überlegener und konnten in den entscheidenden Momenten unser bestes Volleyball auspacken. Amriswil dagegen baute stark ab, ja schlug sich teilweise fast selbst", beschrieb der 26-jährige die Unterschiede zwischen den beiden Finalteilnehmern.
Die grössere Professionalität bei den Glarnern war für Bär denn auch der Hauptgrund gewesen, weshalb er Amriswil verliess. Bei Näfels standen in dieser Saison vier ausländische sowie vier Schweizer Volleyballprofis im Team, welche die Woche über tägich zwei Trainingseinheiten absolvierten. "Ein solch professionelles Training wird bei keinem anderen Schweizer Volleyball-Verein angeboten. Und dieser enorme Aufwand musste sich letztlich auszahlen. Genau aus diesem Grund ging ich zu Näfels. Ich hatte 2006 mein Studium als Informatik-Ingenieur an der ETH Zürich beendet und wollte fortan voll auf den Sport setzen. Einfach um einen weiteren Schritt nach oben zu machen und um auszuloten, was für mich im Volleyball möglich ist", begründete Bär seinen Entscheid zum Wechsel zu Näfels, der absoluten Top-Adresse in der Schweizer Volleyballszene.
Zukunft noch offen
Ob der ehrgeizige Vollblutsportler allerdings auch die nächste Saison bei Näfels bestreiten wird, ist noch offen. Die Signale sind aber beidseits positiv. "Gespräche fanden noch nicht statt, ich denke aber schon, dass es eine gemeinsame Zukunft geben wird. Meinerseits gibt es eigentlich nur einen Grund, der mich dazu bewegen könnte, den Verein zu wechseln: die berufliche Laufbahn." So müsse er sich genau überlegen, wie lange er nach seinem Studienabschluss mit einer ersten Festanstellung zuwarten könne, ehe sein akademischerTitel an Wert verliere. Ein solches Risiko wolle er natürlich nicht eingehen. "Momentan übernehme ich vereinzelte Aufträge, damit das Wissen nicht ganz verstaubt. Ich weiss allerdings nicht, wie lange ich das noch so handhaben kann und auch will."
Nationalmannschaft ein Highlight
Nachdem die Hallensaison nun beendet ist, gönnt sich Bär erstmal eine kurze Erholungspause, ehe er die Beachsaison in Angriff nimmt und später mit der Schweizer Nationalmannschaft an der Universiade in Bangkok teilnehmen wird. «Dies wird für mich ein absolutes Highlight. Ich war bereits an der letzten Universiade dabei, an der wir überraschend Russland besiegten», schwelgte Bär in Erinnerungen. Von solchen Erlebnissen schöpfe er jeweils enorm viel neue Motivation. "So schlecht wie viele denken, sind wir Schweizer nämlich nicht. Neben dem Sieg über Russland zeigten wir auch schon gegen Frankreich starke Leistungen. Was uns fehlt, um international ein gewichtigeres Wörtchen mitzureden, ist die Breite. Wir haben halt im Gegensatz zur Konkurrenz nur sieben oder acht Spieler, die wirklich schon auf einem Top-Level mithalten können."
Die nächste Gelegenheit sich zu präsentieren, bietet sich Marco Bär und dem Nationalteam bereits am Ostersamstag beim Allstar-Garne in Bulle: Dort trifft die Nati auf eine Auswahl der besten ausländischen Spieler der Schweizer Liga.



























































































