Dienstag, 28. März 2023; 13:30
NLA

«In dieser exzellenten Natur kann ich nicht in der Wohnung hocken»

Von: Köbi Hefti

Dem spanische Assistenz-Trainer von Volley Näfels gefällt die Arbeit und das Leben im Glarnerland derart gut, dass er sich vorstellen kann, hier sesshaft zu werden.


Álvaro Jurado Moreno ist Assistenztrainer bei Volley Näfels. Er kam in dieser Saison aus seinem Heimatland Spanien in die Schweiz. Vorher arbeitete er seit ??? als Assistent-Coach bei Sevilla und danach im nationalen Trainingszentrum im nordspanischen Palencia. Im letzten Mai fühlte er jedoch, dass er einen Wechsel brauche, um zu sehen, wie es ausserhalb Spaniens laufe, erzählt der am heute Samstag 29 Jahre alt werdende Spanier. Nachdem er dies mit einem Agenten besprach, ging es sehr schnell. «Nur eine Woche später lag ein Angebot von Volley Näfels vor. Nach dem ersten Gespräch mit Teammanager Ivan Bedrac hatte ich ein ausgezeichnetes Gefühl. Es war wie Liebe auf den ersten Blick», erklärt er sein Engagement.

Rasanter Skilehrer
In Näfels wurden seine Erwartungen klar übertroffen – sportlich und vom Umfeld. Er sagt: «Die Spiele mit dem NLA-Team waren unglaubliche Emotionen, mit den Siegen, der Stimmung, den Fans. Ich bin einfach nur sehr glücklich hier mit allem - den Leuten, der Arbeit und dem Land. Ganz ehrlich - es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich an einem Ort bin, wo ich mir vorstellen kann, sesshaft zu werden.»
Kaum in Näfels angekommen, kaufte er sich ein Mountainbike. «Ich sagte mir, dass ich in dieser exzellenten Natur nicht in der Wohnung hocken kann. Ich muss sehen, erforschen, wo ich jetzt lebe und im wahrsten Sinn das Land erfahren», erklärt er. Die Natur, die Berge, das Hochsteigen auf Gipfel begeistern ihn. Als Höhepunkte nennt er den Limmerensee und die Saxer Lücke im Gebiet des Hohen Kastens. Auch das Skifahren gehörte für Jurado, der das Skilehrer-Patent besitzt und gerne sehr schnell fährt, zu seinen unvergesslichen Erlebnissen. Genau wie das Wetter auf der anderen Seite der Skala. «Es war das erste Mal, dass ich zehn Tage Regen ohne Unterbruch erlebte», so der Südländer.

Doktor
Jurado ist in Guadalajara, eine halbe Autostunde nordöstlich der Landeshauptstadt Madrid aufgewachsen. Während der Schulzeit wurde er von einem Freund zum Volleyballspielen überredet. Seither ist er von diesem Spiel nicht mehr losgekommen. Seine Karriere als Spieler warf aber keine hohen Wellen. Er erzählt: «Nur drei Jahre spielte ich auf halbprofessionellem Level. Ich war im Kopf nicht bereit, um mich weiter in Richtung Volleyball-Profi zu entwickeln. Das Studium in Sportwissenschaften war mir wichtiger.» In der Zwischenzeit hat er zwei Masterstudien abgeschlossen und arbeitet an einer Dissertation im Bereich der Biomechanik. Diese Wissenschaft beschäftigt sich mit den Bewegungsabläufen und dem Bewegungsapparat. Sein Spezialthema dabei sind Verletzungen. Dazu ergänzt er: «Es geht nur langsam vorwärts mit der Doktorarbeit, aber ich liebe es zu studieren, vor allem Sport, denn Sport ist mein Leben.»
Parallel zu den Studien fokussierte er sich aufs Coaching im Volleyball. Bei Näfels ist er nicht nur Assistent des NLA-Teams, er betreut auch das Team der 1. Liga und die Junioren Damen U17 sowie Herren U16 und U18. Zur Frage, ob es beim Training mit den Teenagern zwischen Spanien und der Schweiz grosse Unterschiede gebe, sagt er laut lachend: «Das ist eine gute Frage. Als erstes fiel mir auf, wie ruhig und aufmerksam hier die Mädchen und Jungs sind. Alle hören zu, sind aufmerksam und konzentriert. Der grosse Unterschied liegt darin, dass in Spanien das Training eher an eine Party erinnert – mit Spass und Lachen. Aber dies bedeutet keinesfalls, dass die Kinder nicht diszipliniert sind.»

Handlanger
Seine Aufgabe als Assistenzcoach des NLA Teams ist sehr umfassend. Er ist, ohne dies in irgendeiner Form abschätzig zu meinen, der Handlanger. «Als Assistent will ich erreichen, dass jeder seine Arbeit effizienter erledigen kann», sagt er zu seiner Rolle. Dazu gehören auch Gespräche mit dem Trainer: «Hafner ist der Chef. Er ist der Verantwortliche, der entscheidet.  Dies weiss auch das Team. Ich bin eher der Ideengeber. Ich suche nach Lösungen, mache Vorschläge, wenn ich etwas sehe. Ein Headcoach muss während eines Spiels gleichzeitig sehr viel beachten und wahrnehmen, ein Assistent kann ihn dabei unterstützen. Vier Augen sehen mehr.»
Jurado sagt, dass er ein sehr leidenschaftlicher Mensch sei. Er erklärt: «Was ich auch mache, versuche ich bestmöglich zu tun. Wenn ich den Eindruck habe, dass ich nur 99 Prozent gab, schlafe ich nicht gut, mache mir Gedanken.» Sogar den Schlaf rauben können ihn Fragen, wie er einem Spieler besser helfen könne, so der Spanier weiter. «Ich will immer das Beste geben, für alle, für mich. Wenn ich am Schluss eine positive Bilanz ziehen kann, macht mich dies sehr glücklich», umschreibt Jurado sein Lebensmotto. Zur Frage, wo er in zehn Jahren stehen möchte, sagt er: «Darf ich ambitioniert sein? Ich möchte in diesem Verein Teil des Management Teams sein. Noch bin ich dazu nicht fähig, denn ich muss mich noch entwickeln und viel lernen.»

Álvaro Jurado Moreno – Assistenztrainer bei Volley Näfels seit dieser Saison

Emotionen – ein Höhepunkt

Toller Verein – Álvaro ist begeistert von den Leuten

Auf der Bank geht Álvaros Puls nach oben, unabhängig, wie es läuft

Álvaro, der Beobachter

Álvaro, der Ratgeber

Álvaro, der Supporter

Ein Höhepunkt – die Saxer Lücke