Gelungener internationaler Einstieg der Junioren von Volley Näfels
Das dreitägige „Bear Wool Volley Biella“ ist das bedeutendste Jugendturnier im Alpenraum. 92 Mannschaften, 110 Athleten und Finalspiele mit über 5000 Zuschauern sind eindrückliche Zahlen. An die diesjährige 9. Durchführung hatten sich, nebst Teams aus Nord- und Mittelitalien, die Nationalmannschaften Belgiens, Ungarns, Tschechiens, sowie 3 Selektionen aus Florida eingeschrieben.
Nicht ganz so stark besetzt präsentierte sich die U-15 Knabenkategorie, wo, zusammen mit Volley Näfels, noch die SAR-Auswahl von Genf als ausländischer Vertreter anreiste. Einige verstärkte Klubs der weiteren Umgebung und die traditionsreichen Teams aus Florenz, Venedig und Novara ergänzten den regionalen Kult Klub und vielfachen italienischen Meister „Bre Banca Lanutti Cuneo“zu einem 10er Pool.
Sich überhaupt in ein so starkes Teilnehmerfeld einzuschreiben, mag beinahe vermessen erscheinen. Doch bei den Näfelser Junioren handelt es sich um eine besondere Mannschaft: über 5 Jahre sorgfältig aufgebaut, hat sich dieses Team zu einer der besten Equipen der Schweiz entwickelt – 10 Siege und nur eine Niederlage gegen die drei letztjährigen Erstklassierten der Finalrunde stellen eine vielversprechende Saisonbilanz dar. Alle Spieler stehen in der Regionalauswahl, die meisten besuchen die Talentschule und 5 sind Sportschüler. Das ermöglicht praktisch tägliche Trainings, was noch nie für Glarner Volleyballer im Alter zwischen 13 und 14 möglich war.
Trotz diesen guten Bedingungen, bietet schlussendlich die Schweizer Volleyballszene bestenfalls Mittelmass. In Italien hat dieser Sport ganz andere Dimensionen: allein in der Region Piemonte nehmen mehr Jugendmannschaften an einer regulären Meisterschaft teil, als in unserem Land alle zusammen. Wenn in etablierten Vereinen in der Jugendstufe aus jedem Jahrgang bis zu 40 Athleten trainieren, gibt es beim Glarner Club Alterstufen mit gerade mal 2 bis 3 Spielern! Die besten Profis der Welt träumen davon, in der Lega Pallavolo engagiert zu werden. An solcher Luft schnuppern zu können, muss für jeden talentierten Sportler einen gehörigen Motivationsschub darstellen!
Das mittelmässige erste Gruppenspiel zu Turnierbeginn schien zu bestätigen, dass auf internationalem Parkett für die Näfelser nur Statistenrollen zu ergattern waren: nervös und unsicher agierend, verloren die Glarner gegen ein schlagbares Montancaluso in zwei Sätzen 19:25 und 19:25. Vor allem unpräzise Annahmen ermöglichten kaum einen normalen Spielaufbau, so dass die wenig druckvollen Angriffe immer wieder vom Gegner verteidigt werden konnten.
Ganz anders sah es aus beim folgenden Match gegen das Heimteam „Biver Banca Biella“. Die jungen Spieler liessen sich jetzt von den neuen Umständen wie zum Beispiel dem Holzboden, den anderen Bälle oder dem lautstarken Publikum nicht mehr aus dem Konzept bringen und fanden immer besser zu ihrem Spiel. Ein nie gefährderter 25:16 und 25:20 Sieg liess das Selbstvertrauen wachsen. Eine viel stabilere Annahme ermöglichte dem Passeur, alle seine Angreifer aus den verschiedensten Positionen immer wieder zu Punkten zu kommen lassen, so dass jetzt sämtliche Spieler warmgelaufen waren.
Dementsprechend positiv starteten die Glarner in das Abendspiel, wo sie dann allerdings in ein schlecht interpretiertes Beispiel von „Italianitá“ hineingerieten: das berühmte „Bre Banca Lanutti Cuneo“ wollte es anscheinend auf keinen Fall zulassen, von den Nachbarn aus dem Norden geschlagen zu werden. Nach einem Beginn des ersten Satzes mit hochstehenden Ballwechseln wussten sich die Piemonteser nur noch mit Mätzchen zu helfen. Immer wieder wurde der Näfelser Aufschläger in seiner Konzentration gestört, sogar durch regelmässige Pfiffe des gegnerischen Trainers. Vor jeder kritischen Situation unterbrach der einheimische Captain das Spiel, um die Rotation nachzufragen…schlussendlich verloren die Glarner die Nerven und auch den ersten Satz. Von ihrem Trainer aufgefordert, die Antwort auf dem Feld zu geben, startete Volley Näfels dann fulminant in den nächsten Abschnitt. Starke Services und der immer besser stehen Block wendeten das Blatt. Doch die Näfelser konnten noch so gut aufspielen, unter dem Druck des Publikums brachten teilweise unglaubliche Schiedsrichterentscheide Cuneo immer wieder Geschenke und sie angelten sich auf diese Weise auch den zweiten Satz mit 26:24.
Wer jetzt gedacht hatte, diese jungen Spieler würden sich dem Druck beugen, sah sich gehörig getäuscht. Ab dem nächsten Tag sah man ein komplett neues Volley Näfels aufspielen: alles Adrelanin, Wut und Enttäuschung vom Vorabend wurde jetzt in Kampfgeist umgewandelt. Das bisher ungeschlage „Valli di Lanzo“, ein starkes Team aus den Vororten Turins, bekam das als erste zu spüren. Sie wurden mit zweimal 25:18 vom Platz gefegt. Bei den Glarnern passte alles zusammen, stabile Sideouts und dann gut gestellte Zweierblocks ermöglichten immer wieder, den Ball zu verteidigen und im Gegenzug mit variantenreichen Pässen die Angriffe über das ganze Feld zu verteilen.
Beim ersten Kreuzvergleich trafen die Näfelser gleich wieder auf ein ungeschlagenes Team: „Volley Novara“ – und auch sie wurden komplett überrascht von der Qualität des Spiels der Schweizer. Der gegnerische Trainer brauchte zwei frühe Timeouts, um die orientierungslosen Italiener neu einzustellen, die jetzt aber immer solider wurden. Gleichzeitig häuften sich die Angriffsfehler bei Volley Näfels, so dass die definitive Wende eintraf und Novara das Spiel mit einem schlussendlich deutlichen 25:17 und 25:14 gewann. Dabei mussten sie allerdings ihr bestes Volleyball auspacken. Vor allem gegen die starken Aufschläge fanden die Näfelser kein Rezept.
Zum zweiten Kreuzvergleich an diesem Tag trat als Gegner „Banca de Mugello“ aus Florenz an. Man sah zwei ebenbürtige Mannschaften, die sich Punkt um Punkt erkämpften. Wenn auch das Spiel nicht ganz die gleiche Qualität hatte, wie die vorangegangenen, zeigten die Näfelser jetzt Nervenstärke. Immer wieder pushten sich die Spieler untereinander auf und mit diesen Emotionen wurden zweimal Vierpunkterückstände wieder aufgeholt, was die Florentiner zerbrach: 26:24, 20:25 und 16:14 im Tie-Break!
Zum Rangierungsspiel am letzten Tag trafen die Näfelser auf ….Cuneo. Noch nie hatte man so motivierte Juniorenvolleyballer aus Glarus gesehen. Das diesmal noch zahlreicher angereiste Publikum wurde von Anfang an komplett zum Schweigen gebracht und Volley Näfels zeigte einen praktisch fehlerlosen ersten Satz, wo schlicht alles passte. Das daraus resultierende 25:14 war allerdings zu Einfach gewesen und die Antwort folgte postwendend mit einem 13:25 im zweiten Abschnitt, wo die Cuneser wieder ganz stark auftrumpften, ohne dass die Näfelser das passende Gegenmittel fanden. Doch im dritten Satz fanden die Glarner das richtige Rezept: mit riskanten Services setzten sie die gegnerische Annahme immer wieder unter Druck, währenddem das eigene Sideoutspiel konsequent auf die schwachen Stellen im Block der Italiener dirigiert wurde, was immer auf Anhieb klappte. Das deutliche 15:8 wurde verständlicherweise von den Glarnern mehr als jeder vorherige Triumph euphorisch gefeiert.
4 Siege und 3 Niederlagen resultierten in einem 5. Platz unter 10 Teams, was auf den ersten Blick nicht gerade toll aussieht – doch wenn man ein wenig die Rangliste genauer unter die Lupe nimmt, kann man für die Näfelser Volleyballer doch viele positive Schlüsse ziehen.
So landete zum Beispiel die SAR Auswahl Genfs, immerhin direkt hinter den Ostschweizern dritte der letztjährigen Schweizer Meisterschaften, sieglos auf dem letzten Platz in der gleichen Kategorie, mit einem doppelt so schlechtem Punktekoeffizient als die Glarner.
Wie stark die italienischen Klubmannschaften sind, zeigt dass bei den U-17 Knaben die tschechische Nationalmannschaft gegen ein Team aus Turin im Final verlor, und die Belgische Nati bei den U-19 hart gegen das ebenbürtigen Cuneo hart kämpfen musste.
Und als letzter und vielleicht wichtigster Faktor: da in Italien die Jahrgänge anders geregelt sind als in der Schweiz, ergänzte Volley Näfels sein U-15 Team mit nur drei älteren Spielern. Die Schlüsselposition des Passeurs zum Beispiel war bei den Glarnern mit einem der jüngsten Spielern überhaupt des Turniers besetzt. Zudem spielten die Näfelser während dem ganzen Turniers das 5:1 System, welches in der Schweiz in dieser Altersstufe von Swiss Volley (unverständlicherweise) nicht einmal erlaubt ist und von den Glarner Spieler parallel zum normalen Trainingsaufwand erarbeitet werden musste. Berücksichtigt man alle diese Aspekte, kann man mit der Leistung der Näfelser Spieler mehr als zufrieden sein. Die Athleten auf jeden Fall kehrten begeistert in die verdiente Neujahrspause zurück.





























































































