Mittwoch, 27. Juni 2007; 18:00
Allgemein

Engültiger Abschied von Captain Rafa

Von: Rolando K. Küng

Unmittelbar nach dem Gewinn des Meisterbechers folgte der erfolgreiche Annahmespieler dem Ruf nach Bahrain, wo er in der dortigen Meisterschaft nun noch während zwei Monaten Akzente setzen konnte. Auf dem Rückflug nach Rio machte er noch ein letztes Mal Halt in Näfels um sich offiziell vom Klub und den Menschen hier zu verabschieden

Bild: rkk-Zum allerletzten Mal und nur für dieses Bild, trägt Rafael Lins noch einmal sein Trickot mit der Nr. 18 - er verlässt den Klub nach vier Jahren und drei Meistertiteln


Mit einem lachenden und einem weinenden Auge steht Rafael Lins neben seinen zwei grossen Koffern. In diesen verstaut seine Habseeligkeiten welche ihn auf seiner Odyssee durch die Welt des Profivolleyballs auch im Rautidorf haben Station machen lassen. Durch seinen Klubkameraden bei Flamengo Rio, Eduardo de Paula (Saisons 02-04) 2003 nach Näfels gekommen, hat sich der damals zwanzigjährige sofort wohl gefühlt in der Mannschaft und im Umfeld. Der begnadete Annahmespieler welcher eben gerade mit der Junioren-Nationalmannschaft Weltmeister auf der Libero-Position geworden war, holte sich mit den Glarnern sogleich das Double mit Meisterschaft und Cup. Ein idealer Einstand.

Doch es folgten auch schwierige Zeiten während seinen vier Jahren der Klubzugehörigkeit bei SEAT Volley Näfels. So fehlte er in der Saison 04/05 während fast zwei Monaten dem Team, weil er seine sterbende Mutter auf ihren letzten Tagen in Rio de Janeiro begleiten wollte. Nach seiner Rückkehr sah man oft einen sehr nachdenklichen jungen Rafael, welcher mit dem verfrühten Tod seiner Mutter doch einiges zu beissen hatte. Rafa schämte sich nie, auch seine menschliche Seite zu zeigen, im Gegenteil, vielleicht ist es gerade das, was ihn nun hat dermassen wachsen lassen. Die Fähigkeit Gefühle zu leben und Emotionen zu zeigen, macht ihn stark. Auch dank der überstandenen Schulteroperation vor der Saison 05/06 ist er weiterhin gereift. Er konnte in dieser Zeit, nicht zuletzt aufgrund der vorher gezeigten Leistungen, auch auf viel Verständnis und Geduld der Klubleitung zählen. Seine Schulter wäre noch nicht bereit gewesen der hohen und ständigen Belastung standzuhalten und so wurde er, auch ein bisschen umständehalber, kurzerhand zum Libero umfunktioniert. Nach dieser Saison ging er ohne die schon zur Gewohnheit gewordenen Goldmedaillen zurück nach Brasilien. Der Mannschaft lief es nicht ganz nach Wunsch und Erzrivale Chênois war einfach zu stark.


Im letzten Jahr als Captain

Doch Rafa kam zurück. Er wurde ganz klar als Leistungsträger designiert und um dies zu unterstreichen wurde ihm auch das Amt des Captains übertragen. Es war das Jahr eins nach der Ära von Roman Landolt. Nach Anfänglicher Schonung seiner immer noch rekonvaleszenten Schulter wurde er im letzten Herbst von Spiel zu Spiel stärker. Immer mehr wuchs er in die Rolle des Captains, des Leaders hinein. Seine Weckrufe wurden im Verlauf der letzten Saison zum Markenzeichen, wenn die Mannschaft in Lethargie zu fallen schien. Immer wieder gelang es ihm, sowohl auf dem Spielfeld wie auch daneben, seine starke Persönlichkeit und die für sein immer noch jugendliches Alter erstaunliche Reife zum Tragen zu bringen.

Rafa ist ein Winnertyp. Aber einer bei dem man nie Angst haben muss, dass ihn der Erfolg blind machen könnte. Zu gross ist sein Bewusstsein, dass hinter jeder Leistung der Fleiss steht und dass nichts selbstverständlich ist, weder im Spitzensport und schon gar nicht im Leben.

Nun zieht er also fort. Im Moment mal ganz sicher nach Rio, aber von dort schon bald nach Puerto Rico oder sonstwo. Man werde von ihm hören und diesen Klub, diese letzten vier Jahre seines Lebens, werde er nie vergessen. Eine wichtige Station sei es gewesen und zu den Leuten welche ihn hier aufgenommen und gefördert hätten, sei weit über das Sportliche hinaus eine Freundschaft für’s Leben entstanden. Und jetzt kennt man auch den Grund für das weinende Auge, denn bei Rafa steht weit über dem Weltlichen, dem Geld, die Freundschaft als der wahre Sinn des Lebens.