Montag, 26. Februar 2007; 06:58
Allgemein

Der Star von SEAT Volley Näfels war das Team

Von: Südostschweiz - Köbi Hefti

Mit dem Sieg im PAX Volley Cup hat SEAT Volley Näfels sein primäres Saisonziel, den Gewinn eines nationalen Titels, erfüllt. Der starke Auftritt von Lugano zu Beginn konterte das Team von Serramalera mit einer starken Teamleistung. Die Freude über diese gelungene Teamleistung war entsprechend gross.

Der Cupfinal 2007 ist Geschichte, eine schöne Geschichte für SEAT Volley Näfels. Ein Ziel ist erreicht und für viele Spieler ist es der erste Titel ihrer Karriere. Entsprechend gross war nach dem Schlusspfiff der Jubel bei ihnen. Sogar eine hübsche Blondine tauchte inmitten der Mannschaft auf um allen zu gratulieren. Küsschen gab es von ihr freilich keine, denn ganz der Narrenzeit entsprechend, verbarg sich hinter der Maske ein Helfer von Näfels. Viele Fans aus Näfels und Lugano sorgten bereits während des Spiels für tolle Stimmung. Marco Bär zeigte sich darüber begeistert. „Die Fans waren super, es herrschte eine riesige Stimmung. Solche Spiele gefallen mir, machen richtig Spass. Dafür trainiere ich auch jeden Tag.“ Ein erleichterter Juan Serramalera, der erneut wirkungsvoll coachte, meinte zum Spiel: „Es war ein echter Final mit viel Druck auf unseren Schultern. Ich bin sehr, sehr glücklich über diesen Sieg.“ Und der strahlende Team-Benjamin Roman Sutter fasste in einem Satz zusammen, weshalb der Kübel zum siebten Mal nach Näfels geht: „Am Ende siegte das Team, welches den Sieg mehr wollte.“ Und Marco Bär, der in seinem sechsten Final erstmals als Sieger vom Platz gehen konnte war die Genugtuung deutlich anzusehen: „Das ist ein sehr gutes Gefühl, super! Dieser Sieg ist eine riesige Erleichterung“. 

 

Das Lob des Nationaltrainers

 

Während der ersten halben Stunde roch es in der Wankdorfhalle aber nach einer Sensation. Lugano dominierte den Favoriten in allen Beziehungen. Nationaltrainer Bolle bestätigt: „Luganos Angreifer Baiano und Cirstiano zeigten am Anfang Weltklasse, eigentlich über ihrem Niveau. Je länger jedoch das Spiel dauerte, umso mehr kamen sie auf jenes Niveau zurück, das für sie normal ist.“ Dass am Ende aber Näfels siegte, begründete Bolle folgendermassen: „Ich sah vor allem das Spiel der beiden Brüder Sutter. Man kann es drehen wie man will, Andy und Roman Sutter waren zusammen mit Rafa die besten Spieler. Sie haben den Unterschied ausgemacht.“

 

Rafa, der im Cupfinal einmal mehr seine Rolle als Captain perfekt wahrnahm, wie ein Löwe kämpfte und mit seinem ausgeprägten Gefühl fürs Spielgeschehen in  brenzligen Situationen immer wieder am richtigen Ort stand, war sehr glücklich. Er war vor allem stolz auf sein Team, dem er ebenso gratulierte wie der überraschend stark aufspielenden Mannschaft von PV Lugano für deren tolle Leistung. „Ein Grossteil unseres Teams ist sehr jung. Und es wunderbar zu sehen, wie alle in schwierigen Momenten zulegen können. Das ist auch gut im Hinblick auf das Meisterschaftsfinale“, meinte er bereits vorausblickend.

 

Dieses Lugano darf nicht absteigen

 

Luganos Trainer Dario Bettello hatte sich nach dem Schlusspfiff schnell wieder gefasst: „Unmittelbar nach Spielende war ich sehr enttäuscht wie alle. Doch schon zwei Minuten später wurde mir bewusst, was wir einen Super-Match gespielt und gekämpft haben.“ Auch der Captain der Dragons, Gianluigi Fragomeni äusserte sich positiv:  „Ich bin zufrieden. Wir haben alles gegeben und zeigten keine Angst vor Näfels. Wir sind ein junges Team, trotzdem haben wir in diesem Spiel auf hohem Niveau gegen das beste Team der Meisterschaft mithalten können.“

 

Es ist kaum begreiflich, dass PV Lugano im weiteren Verlauf der Meisterschaft um den Ligaerhalt kämpfen muss. Die Tessiner haben vor allem zu Beginn des Satzes den Meisterschaftsfavoriten derart in Bedrängnis gebracht, wie dies in dieser Saison nur selten der Fall war. Trainer Bettello betrachtet deshalb dieses Spiel als ein Neuanfang für die bevorstehenden Spiele um den Verbleib in der höchsten Spielklasse.

 

Die stille Freude

 

Andy Sutter konnte sich zum dritten Mal eine Goldmedaille um den Hals hängen lassen. Er genoss diesen Moment sichtlich, war doch diesmal für ihn alles ganz anders als früher. Er stand von Anfang an auf dem Feld, wurde von einer Jury gar als bester Spieler von SEAT Volley Näfels gewählt. „Mir ist heute ein Superspiel gelungen. Ich bin sehr stolz, dass ich einen wichtigen Teil zu dieser Gold-Medaille beitragen konnte. Schliesslich ist aber die Teamleistung entscheidend und heute haben wir als Team überzeugt und den Cup gewonnen.“

 

Interessant tönt Sutters Analyse zum Spielverlauf: „Lugano hatte nichts zu verlieren, wir hingegen verspürten grossen Druck und spielten anfänglich nicht so, wie wir das hätten tun müssen. Wir waren verkrampft und setzten die Anweisungen des Trainers nicht so um wie er es verlangte. Zum Glück konnten wir nachher aufdrehen und frei von der Leber weg spielen. Ich bin sehr glücklich, dass wir das Spiel im vierten Satz doch noch entscheiden konnten und nicht in ein Tie-Break mussten.

 

Sehr zufrieden und mit glänzenden Augen zeigte sich auch Libero Werner: “Ich hätte letzte Saison, als ich noch bei Voléro spielte, nie daran gedacht einmal Cupsieger zu werden. Als ich dann aber das Glück hatte mit Näfels zu spielen, liebäugelte ich schon damit. Es ist super, in einer solchen Mannschaft spielen zu können, in der sich jeder für jeden einsetzt.

 

Des einen Freud…

 

Ein Spieler von Näfels wirkte unmittelbar nach dem Spiel trotz des Sieges etwas niedergeschlagen: Samuel Büschi. Der Grund lag daran, dass der Berner am Tag X nicht seine gewohnte Leistung abrufen konnte. „Es war das erste Spiel in dieser Saison, bei dem ich wirklich schlecht spielte. Ich verspürte schon den ganzen Tag grossen Druck, es war mir gar übel. Der Start zum Spiel gelang mir noch ordentlich, doch dann machte ich einige Fehler. So reagierte der Trainer und nahm mich vom Feld. Dies stimmt mich schon traurig, weil ich zu diesem Cupsieg fast nichts beitragen konnte. Langsam macht sich nun aber auch bei mir die Freude breit.“

 

Mit einem breiten Lachen steht Roman Sutter, Büschis Stellvertreter, Red und Antwort. „Ich fühle mich super. Ich dachte nicht, dass ich heute zum Zug komme. Aber ich wollte der Mannschaft helfen und das ist mir gut gelungen. Ich bin wirklich zufrieden.“