Montag, 2. April 2012; 09:28
Allgemein

Der Meister bangt jetzt sogar um die Teilnahme am Europacup

Von: Köbi Hefti

Nach der klaren 0:3 Niederlage in Lugano steht Seat Volley Näfels ohne Titel da. Das Team von Spielertrainer Polak hatte auch am Samstag in den spielentscheidenden Situation das Nachsehen.

 

 

Während anderthalb Sätzen war der Meister zumindest gleich gut, wenn nicht sogar besser als Lugano. Doch wie schon oft in diesem Jahr jubelten am Satzende die Gegner, weil just in diesen entscheidenden Phasen die Polaktruppe die durchaus vorhandenen Chancen nicht nutzte. Meist fehlte in diesen Momenten die Cleverness. Am Samstag war es nicht anders. Statt sich den Vorteil eines Satzballes im ersten Satz zu holen, vergeigte man diese Chance mit einem Eigenfehler der dümmeren Art. So ging der Satz an Lugano. Teammanager Gygli trauerte dieser Chance nach: „Mit dem Gewinn des ersten Satzes hätten wir Lugano unter Druck setzen können. Lugano brauchte zwei Sätze für die Finalqualifikation. Nach dem Gewinn des Startsatzes fand Lugano die nötige Sicherheit, während bei uns die Unsicherheit wuchs.“

 

 

 

So kam es, wie es die Volleyballfachwelt erwartete. Das Team von Lugano, gespickt mit zahlreichen exzellenten Volleyballern aus der ganzen Welt, gewann diese Partie locker und verabschiedete Näfels damit aus dem Titelrennen.

 

 

 

Ein Versprechen für die Zukunft

 

Für Näfels gibt es trotzdem gewisse Lichtblicke. Einer, der dafür verantwortlich ist, heisst Samuel Ehrat, ist noch sehr jung (Jahrgang 1992) und spielt hauptsächlich mit dem TSV Jona unter Trainer Urs Winteler in der 1. Liga. In letzter Zeit avancierte der Neuzuzug aus dem Baselbiet zum Stammspieler bei Näfels als Mittelblocker. Er überzeugte in Genf, tags darauf gegen Schönenwerd und gehörte auch in Lugano zusammen mit Dalibor Polak und Marek Tomas zu den besseren seines Teams. In der Offensive vermochte zwar auch er genau wie seine Mittelblockerkollegen nicht zu glänzen, setzte aber mit seinen Services und seiner Blockarbeit ein Zeichen, das vor allem für die Zukunft zu viel Hoffnung Anlass gibt. Aber selbst Ehrat war nach dieser Niederlage sehr selbstkritisch: „Meine Leistung war heute nur durchschnittlich, damit kann ich nicht zufrieden sein. Es schlichen sich einige Unkonzentriertheiten ein, so war ich beim Blocken einige Male nicht dort, wo ich hätte sein müssen.“

 

 

 

Es knistert im Gebälk

 

Die von Ehrat angesprochenen Löcher in der Konzentration waren allerdings gestern nicht allein sein Problem, auch seine Mitspieler litten immer wieder darunter. Auch Teammanager Gygli bestätigt dies und kritisiert sein Mannschaft: „Wenn ich die Statistik des ersten Satzes anschaue, dann hätte wir diesen Satz schon fast locker gewinnen können. Dazu hätten wir aber einige Services mehr ins Feld des Gegners bringen müssen. Aber wir waren zu dumm. Alle wussten, wie wir servieren müssen, aber wir machten alles falsch, was man nur falsch machen kann. So verdient man sich den Sieg nicht, obwohl wir auf Augenhöhe mit Lugano spielten.“ So ist die Enttäuschung oder gar Ernüchterung bei Gygli nach der verpassten Titelverteidigung riesig. Bereits nach den letzten Spielen äusserte er sich immer wieder kritisch, nicht nur zur Mannschaft, sondern auch zum Coaching. Auch am Samstag in Lugano konnte er nicht immer nachvollziehen, wie entschieden wurde. Dabei erwähnte er auch die Nichtberücksichtigung von Mittelblocker Stefan Ilic. Er bekam in letzter Zeit kaum noch eine Chance zum Spielen, obwohl Stammspieler Klapal in den vergangenen Runden nur noch ein Schatten seiner besten Tage wurde mit seinen Servicefehlern zur Belastung. Der  Versuch mit Ilic an dessen Position zu spielen, wäre nicht nur in den Augen des Teammanagers, sondern auch aus Sicht einiger Beobachter eine prüfenswerte Option gewesen.

 

 

 

Es bleibt das Ziel Europacup

 

Es ist zu hoffen, dass diese erneute Ohrfeige im Tessin eine Trotzreaktion bei den Akteuren von Näfels auslöst, sich alle nochmals „am Riemen“ reissen. Will man auch im nächsten Jahr europäisch sein, so müssen nun drei Siege her. Der erste muss am nächsten Mittwoch gegen Erzrivale Amriswil folgen. Und für einmal gilt: Ab sofort kann ein Sieg in einem Tie-Break als Vollerfolg verbucht werden. Vielleicht erinnert man sich an die Qualitäten aus dem Meisterjahr, als fast alle entscheidenden Tie-Breaks von SEAT Volley Näfels gewonnen wurden.

 

Versprechen für die Zukunft – Samuel „Sämi“ Ehrat