Donnerstag, 5. Januar 2023; 12:19
NLA

David Aebli möchte sich vom Ersatz- zum Stammspieler entwickeln

Von: Köbi Hefti

Die Rolle als dauerhafter Ersatzspieler bei Volley Näfels verlangt von David Aebli viel Geduld. Seit fast drei Jahren bestreitet er fast keine Ernstkämpfe mehr, was er vermisst und bedauert.


David Aebli ist das jüngste Kind der Familie Aebli, oder treffender gesagt der Volleyball-Dynastie Aebli. Alle Familienmitglieder mit Ausnahme seines ältesten Bruders waren leidenschaftliche Volleyballerinnen und Volleyballer mit Nationalliga-Erfahrung, und der Vater ist noch immer Präsident von Glaronia. Zur Frage, wie es sei, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen, sagt David Aebli: «Das war sehr speziell. Während der Primarschulzeit spielte ich zusammen mit meinem ältesten Bruder Eishockey und Unihockey.» Sie seien die Ausreisser der Familie gewesen, da die anderen Geschwister Anahita, Gian und Kai damals schon längst vom Volleyball-Virus infiziert gewesen seien. «Doch als ich gut 13 Jahre alt war, keinen Sport mehr machte und nur faul daheim hockte, hiess es, ich müsse ins Volleyballtraining. So ging ich halt und es gefiel mir auf Anhieb», schildert er seinen Werdegang.

Erlebnisreiche Juniorenzeit
Mittlerweile gehört der 23-Jährige bereits das dritte Jahr zu Näfels’ NLA-Team. Sehr gerne erinnert er sich an seine Juniorenzeit: «Eines der besten Erlebnisse waren die Turniere mit den Volley-Talents in Klagenfurt, wo wir gegen Gegner aus der ganzen Welt spielten und Medaillen gewannen.» Ein unvergesslicher Moment war auch der Aufstieg in die NLB 2018 mit der zweiten Mannschaft. «Der Sieg im Finalspiel in Wetzikon war unglaublich cool.» Doch in der jungen Karriere des Glarners gibt es auch Schattenseiten. Er bedauert, dass in den letzten Jahren die Schweizermeisterschaften der Junioren mehrfach unter Corona litten. «Die U23-SM hätte ein Highlight werden können. Zusammen mit Jona waren wir ein gutes Team und gewannen alle Spiele souverän, ehe der Abbruch erfolgte», so Aebli.

Hoffnung auf die Chance
Stammspieler bei Näfels zu werden ist Aeblis Ziel. Dazu meint er: «Das ist sehr schwierig. Mir fehlt die Spielpraxis, da ich seit Ausbruch von Corona 2020 weder bei den Junioren noch in der 1. Liga spielen konnte.» Das habe schon genagt, erzählt er, denn er vermisse das Spielen und ergänzt: «Ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, wo ich entscheiden muss, wie es weitergeht. Ich will nicht nochmals drei Jahre auf der Ersatzbank sitzen.» Einschneidend war für ihn auch die letzte Saison, in welcher er nach einer Operation am Handgelenk-Ansatz lange Zeit rekonvaleszent war und nicht spielen durfte und einen Grossteil der Saison verpasste. Noch gibt er nicht auf, äussert sich hoffnungsvoll: «Ich würde gerne einmal eine Saison erleben, während der ich zeigen kann, ob ich mich durchsetzen kann oder nicht.» Dass dies nicht heuer sein würde, hat er angesichts der starken und routinierten Konkurrenz auf den Aussenpositionen so erwartet. Er habe schon viel Geduld aufgebracht, und wenn er zu wenig stark sei, gelte es, dies zu akzeptieren, so Aebli.

Volles Programm
In der Meisterschaft stand Aebli in dieser Saison nur gegen Schönenwerd länger auf dem Feld und überzeugte dabei. «Natürlich freut man sich auf jeden Einsatz», sagt er. Doch nur zu trainieren und fast nie zu spielen sei für die Motivation nicht einfach, gesteht er, ergänzt aber umgehend: «Das Training macht mir Spass und ein Sieg der zweiten Garde gegen die Stamm-Sechs macht Freude.» Hilfreich sei auch die gute Team-Atmosphäre: «Wir können über alles sprechen und jeder hilft dem anderen.» Dies kommt ihm sehr entgegen, denn diese Werte sind ihm sehr wichtig, wie auch Ehrlichkeit und Pünktlichkeit. Aebli kann sich aber auch mächtig ärgern, vor allem wenn er weiss, dass er etwas besser machen könnte, dies ihm aber misslingt. Dann brodle es in ihm, obwohl er äusserlich ruhig bleibe, gesteht er und ergänzt: «Das Umfeld muss nicht spüren, dass ich hässig bin.»

Aebli studiert im Teilzeit-Modus an der Fachhochschule Graubünden Digital Business Management, einer Kombination aus Wirtschaft und Informatik. Dazu ist er noch mit einem 20%-Pensum bei einer Baufirma tätig und macht deren Web- und Instagram-Auftritt.  Entsprechend durchtaktet sind seine Tage. Freizeit ist Mangelware. Er vermisst das Zusammensein mit Kollegen um etwas zu unternehmen, das Snowboarden oder einfach das Nichtstun. Während der Saison freut er sich, wenn er mit dem Hund laufen gehen kann und an Serien. Auch der sonntägliche «Familienznacht» zusammen mit einem Grossteil der Familie inklusive Neffen und dabei locker zu diskutieren, bereiten ihm Freude. Im Sommer, wenn er mehr freie Zeit hat, ist er gerne draussen. Sein Lieblingsplatz ist das Klöntal mit dem Häuschen der Grossmutter und dem Bötchen. «Auf dem See zu sein ist für mich ein Hotspot», schwärmt er.

Der Traum vom Cupfinal
Der jüngste Aebli-Spross sagt über sich, dass er auf unbekanntem Terrain zurückhaltend und ruhig sei. In seinem Bekanntenkreis hingegen sei er offen und spontan und hat es gerne lustig. Doch er ist auch der nachdenkliche Typ und sagt: «In gewisser Form mache ich mir oft Sorgen. So spüre ich langsam den Körper, denn Volleyball fährt extrem in die Gelenke.» Auch das Wohlergehen nahestehender Menschen ist ihm wichtig. Wenn es jemandem nicht gut geht, belaste dies ihn. Er sagt: «In dieser Beziehung bin ich sehr emotional. Mir graut es vor dem Gedanken, von jemandem oder dem Hund Abschied nehmen zu müssen.»

Seine Bucket-Liste der nächsten Jahre umfasst vor allem den Abschluss seines Studiums und eine Reise nach Island. Im Volleyball wünscht er sich mehr Einsatzzeit. Zudem hat er einen innigen Wunsch: «Ich möchte so gerne einmal in einem Cupfinal stehen und diese Stimmung mit der neu geformten Fankurve erleben.»

David «Dave» Aebli: 23-jähriger, 1.94 Meter grosser Aussenangreifer von Näfels

Edelreservist: In der Meisterschaft spielte er in dieser Saison nur gegen Schönenwerd etwas länger

Richtige Einstellung: Trotz fehlender Spielpraxis in den letzten drei Jahren, ist David physisch und psychisch bereit, wenn er zum Einsatz kommt

Ein Höhepunkt für Dave: Sieg in Wetzikon im 1.Liga-Final und Aufstieg in die NLB

Stimmungskanone: Dave sorgte letztes Jahr für mächtig Stimmung aus der Spielerecke. Dieses Jahr ist dies von den Unparteiischen nicht mehr gleich geduldet