Dienstag, 25. November 2025; 10:00
NLA

«Das ist überwältigend – aber das war erst der erste Satz»

Von: Ueli Weber

50 000 Franken in wenigen Tagen: Volley-Näfels-Präsident Martin Landolt freut sich über die überwältigende Unterstützung für seinen Verein. Und doch schliesst er einen freiwilligen Abstieg nicht aus.


Martin Landolt, vor Kurzem haben Sie einen Hilferuf abgesetzt: Volley Näfels stehe vor dem Aus. Jetzt hat Ihr Verein in wenigen Tagen fast 50 000 Franken gesammelt. Haben Sie mit einer so schnellen und breiten Unterstützung gerechnet?
Martin Landolt: Überhaupt nicht. Das übertrifft meine Erwartungen völlig – und übrigens auch die von Crowdfunding-Experten, mit denen ich gesprochen habe. Die sagten mir, 50’000 Franken in 50 Tagen seien extrem ambitioniert. Trotzdem wollte ich es versuchen. Dass das Projekt jetzt innerhalb weniger Tage eine solche Welle der Solidarität auslöst, ist schlicht berührend.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Namensliste der Spenderinnen und Spender durchgehen?
Da sind viele berührende Geschichten dabei. Eltern haben mir erzählt, dass ihre Kinder, die bei uns Volleyball spielen, gesagt haben: «Wir wollen dieses Jahr kein Weihnachtsgeschenk – spendet lieber an Volley Näfels.» Ein kleines Unternehmen hat zugesagt, etwas zu spenden und das auf der Weihnachtskarte an Kundschaft und Lieferanten zu kommunizieren – damit noch mehr Menschen darauf aufmerksam werden. Mitglieder mobilisieren ihre Netzwerke, bestehende Sponsoren sprechen ihre Lieferanten an. Der FC Linth 04 hat dazu aufgerufen, seinen «Nachbarverein» zu unterstützen. Das alles zeigt, wie viel Volley Näfels den Menschen bedeutet.

Was bedeuten diese 50 000 Franken für den Verein?
Sie sichern den laufenden Spielbetrieb in dieser Saison – und verschaffen uns Zeit. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Im Volleyball entspricht das dem Gewinn des ersten Satzes. Um das Spiel zu gewinnen, braucht es drei. Wir stehen also noch am Anfang. Bis zum Frühjahr 2026 müssen wir weitere 150’000 Franken auftreiben, um die Lizenz zu sichern. Das wird nochmals eine riesige Herausforderung. Diese Summe lässt sich nicht allein durch Privatspenden stemmen.

Haben Sie einen Plan, wie Sie die verbleibenden 150 000 Franken beschaffen wollen?
Noch nicht. Jetzt, wo die erste Etappe gelungen ist, müssen wir neue Szenarien ausloten. Ich hoffe sehr, dass sich Unternehmen angesprochen fühlen – nicht nur wegen des Spitzensports, sondern auch wegen unserer Nachwuchsarbeit. Viele Unternehmen tätigen ja gerade rund um Weihnachten Spendenaktionen. Uns geht es im Moment nicht nur um langfristige Sponsorings – wir brauchen einmalige Unterstützungsbeiträge, damit wir die Verschuldung loswerden und eine gesunde Basis für die Zukunft schaffen können.

Sie brauchen insgesamt also 200 000 Franken. Wie hoch ist das Jahresbudget des Vereins?
Über 700 000 Franken. Das ist im Vergleich zu anderen NLA-Vereinen eher wenig. Wir haben die Kosten in den letzten Jahren deutlich gesenkt – und sind trotzdem sportlich konkurrenzfähig geblieben. Das ist sehr erfreulich. Unser Problem sind nicht die aktuellen Kosten, sondern die Schulden, die wir aus den Jahren davor mitschleppen.

Müsste sich im Verein strukturell etwas ändern, um langfristig stabiler aufgestellt zu sein?
Diese Diskussion können wir führen, sobald die Schulden weg sind. Immer wieder kommt der Vorschlag, freiwillig in die zweithöchste Liga abzusteigen. Das würde zwar Kosten sparen, aber auch die Einnahmen massiv reduzieren. Eine Mannschaft in der Nationalliga B generiert schlicht weniger Sponsoringeinnahmen. Und ein Abstieg allein würde vor allem die Schulden nicht verschwinden lassen. Wenn wir sie aber abbauen können, hätten wir Spielraum: Entweder wir wagen dann mit den heutigen Einnahmen den Fortbestand in der Nationalliga A oder wir starten schuldenfrei neu in der Nationalliga B – mit tieferem Budget, aber gesichertem Fundament. Klar ist: Erst wenn die Schulden weg sind, können wir überhaupt planen.

Volley Näfels ist Schweizer Rekordmeister und steht in der Meisterschaft gerade auf Platz eins. Da muss es für Sie als Präsident besonders schmerzhaft sein, über einen Abstieg nachdenken zu müssen?
Natürlich hoffe ich, dass wir einen Abstieg vermeiden können. Aber im Zentrum stehen für mich die Nachhaltigkeit und die Nachwuchsarbeit. Ob wir Nationalliga A oder B spielen ist da eine untergeordnete Frage.

Von 2013 bis 2022 spielten Sie unter dem Namen Biogas Volley Näfels. Seit dem Ausstieg der Energie Zürichsee Linth AG hat der Verein keinen Namenssponsor mehr. Haben Sie da etwas in Aussicht?
Ich suche seit dem Wegfall intensiv nach einem neuen Namenssponsor – bisher ohne Erfolg. Der Preis für einen Namenssponsor liegt je nach Ausgestaltung bei 100 000 bis 150 000 Franken pro Jahr. Das ist zwar viel Geld, aber im Vergleich zur Sichtbarkeit, die man bekommt, ein fairer Deal: Volley Näfels ist der erfolgreichste Volleyballverein der Schweiz, hat eine nationale Ausstrahlung, viel Medienpräsenz. Ein Namenssponsor gestaltet zudem das gesamte Vereinsdesign. Gerade jetzt, wo die Öffentlichkeit unsere Situation kennt, wäre es eine grossartige Gelegenheit für ein Unternehmen, sich zu engagieren – und ein starkes Zeichen für den Nachwuchs und den Sport im Glarnerland zu setzen. 

Mit einem Lächeln im Gesicht: Martin Landolt ist berührt und erfreut, welche Welle der Solidarität der Hilferuf von Volley Näfels ausgelöst hat. Bild: Köbi Hefti