Das Ende der Erfolgsgeschichte?
«Michel Bolle kann dem Team in der aktuellen Situation nicht mehr helfen», sagte Näfels-Präsident Klaus Görauch. Neben einem neuen Trainer braucht diese Equipe aber auch eine Leaderfigur.
«Seat Volley Näfels – eine 40-jährige Erfolgsgeschichte». Mit diesem (wahren) Satz wird der Besucher der Homepage des besten Schweizer Volleyballclubs der letzten zehn Jahre begrüsst. Wenn dieser Verein in der Meisterschaft eine Runde vor Ende der Qualifikation mehr Spiele als Punkte aufweist und in der Tabelle nur zwei Konkurrenten hinter ihm liegen, stimmt etwas nicht mehr. Geht die Erfolgsgeschichte mit einem dramatischen Absturz im letzten Kapitel zu Ende? Fast scheint es so.
Erschreckende Leistung
Um am Erfolgsbuch weiterschreiben zu können, hat der Vorstand des Serienmeisters die Notbremse gezogen und gestern Trainer Michel Bolle die Verantwortung der ersten Mannschaft entzogen. «Das Resultat gegen Amriswil, vor allem das 9:25 im zweiten Satz, sowie die Leistung des Teams, die zu diesem Resultat führte, waren derart erschreckend, dass wir handeln mussten», erklärte Präsident Klaus Görauch der «Südostschweiz» gestern Abend. «Wir wissen auch, dass nicht der Trainer einen Ball ins Out setzt, und dass nicht der Trainer für einen unpräzisen Pass oder eine fehlerhafte Annahme verantwortlich gemacht werden kann. Aber wir kamen zum Entschluss, dass Michel Bolle in der aktuellen Situation der Mannschaft nicht mehr helfen kann.»
Und diese Situation zeigt, dass Näfels in der momentanen Verfassung dem Tabellenende oder gar einem Abstieg näher ist als einer erfolgreichen Titelverteidigung. Acht der zehn Punkte sicherten sich die Näfelser in den ersten vier Saisonspielen im Oktober. Seither gabs bis auf den 3:2-Heimsieg gegen Aufsteiger Martigny am 18. November nur noch Pleiten. Die Massnahme des Vorstands hat sich auf Grund dieser Negativspirale abgezeichnet. «Wir haben die ganze Situation beobachtet und wollten für eine Entscheidung das Weihnachtsturnier abwarten. Als die Mannschaft dort wirklich gut spielte, sahen wir zu jenem Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf. Das hat sich mit dem Auftritt am letzten Sonntag aber schlagartig geändert», äusserte sich Görauch.
Keine Leithammel
Der Vorstand ist nun auf der Suche nach einem Nachfolger Bolles. «Wir verfügen über genügend Telefonnummern», so Klaus Görauch. Das Beziehungsnetz der Näfelser dürfte auch nicht das Problem sein. Eher, ob der Wunschkandidat auch frei ist. Und eher, ob diese Mannschaft, der es, Bolle hin oder her, offensichtlich an Klasse mangelt, um an der Spitze mitspielen zu können, sich zu besseren Leistungen aufraffen kann. Der Versuch, auf Schweizer Spieler zu setzen und ausländische «Granaten» zu verpflichten, ist wie letztes Jahr bei Lausanne UC gescheitert. Die Südamerikaner erwiesen sich nie als die Leithammel, an denen sich die jungen Schweizer hätten aufrichten können. Und die Schweizer Spieler konnten unter dem Druck, die gesamte Last zu tragen, ihre normalen Leistungen nicht mehr abrufen. Andy Sutter, im Herbst als bester Schweizer Spieler der letzten Saison ausgezeichnet, ist nur noch ein Schatten seiner selbst, und Stammpasseur Ivan Bedrac wurde sogar von seinem Stellvertreter Marco Gygli verdrängt.
«Bei der Zusammenstellung der Mannschaft setzten wir bewusst auf Schweizer Spieler und einen Schweizer Trainer, weil wir das Schweizer Volleyball unterstützen wollten», sagte Klaus Görauch zu dieser Politik, «dass keiner der Ausländer eine Leaderfigur ist, konnten wir bei deren Verpflichtung nicht ahnen. Denn einen Leader, der die Mannschaft führt, braucht jedes Team.» Görauch konnte gestern nicht sagen, ob sie nach einem Trainer auch noch einen ausländischen Spieler suchen werden.



























































































