Donnerstag, 17. Oktober 2013; 15:44
NLA

Dank des Engagements der Erdgas Obersee AG ist in Näfels weiterhin Spitzen-Volleyball möglich

Von: Ruedi Gubser

In einer Woche startet Näfels in die Saison. Manager Ruedi Gygli erklärt im Interview, weshalb NLA-Volleyball in Näfels nicht selbstverständlich ist und der Rekordmeister nicht zu den Titelfavoriten zählt.

 

Ruedi Gygli, nachdem Sie die Saison 2012/13 ohne Namenssponsor hatten bestreiten müssen, konnten Sie im Sommer mit der Erdgas Obersee AG nun einen Nachfolger von Seat präsentieren. Wie gross war der Stein, der Ihnen vom Herzen gefallen ist? 
Der war sehr gross. Ohne das Engagement von Erdgas Obersee hätten wir uns ein Weitermachen überlegen müssen.

Wie ist das zu verstehen? Kein NLA-Volleyball mehr in Näfels?
Bestimmt nicht in der bisherigen Form. Wir hätten kleinere Brötchen backen müssen.

Das heisst, Näfels wäre von einem Titelanwärter zu einem Abstiegskandidaten geworden?
Wie sich das genau ausgewirkt hätte, weiss ich nicht. Zum Glück ist es nicht zu diesem Szenario gekommen, und wir mussten uns nicht mit solchen Gedankenspielen beschäftigen.

Sondern damit, wie Sie das zusätzliche Geld in ein starkes Team investieren wollen.
So viel zusätzliches Geld haben wir gar nicht. Im Gegenzug zur neuen Sponsoringpartnerschaft mit der Erdgas Obersee AG haben wir bisherige Sponsoren verloren. So ist das Kader nicht viel teurer als in der vergangenen Saison. Etwas mehr ins finanzielle Gewicht fällt, dass Dalibor Polak sich auf den Trainerjob konzentriert, somit keine Doppelfunktion mehr ausübt und wir für ihn als Spieler einen Ersatz verpflichten mussten.

Dann ist Näfels trotz der Erdgas Obersee AG kein Titelanwärter?
Der Schweizer-Meister-Titel oder der Cupsieg wären zu hochgesteckte Ziele. Lugano ist der Konkurrenz finanziell enteilt und nimmt bei den Männern die Rolle von Voléro Zürich bei den Frauen ein. Ich schätze, die Tessiner haben drei- bis viermal mehr Geld zur Verfügung als wir. Sie haben das Kader erneut verstärkt, und sie sind im Vergleich zu früher nun auch strukturiert. Das könnte eine länger dauernde Dominanz zur Folge haben, ähnlich wie die von Voléro im Schweizer Frauenvolleyball.

Wie lauten die Ziele von Näfels für nächste Saison?
Wie gesagt, einen Titel zu gewinnen scheint bei der Dominanz Luganos für uns unrealistisch. Wir möchten aber gerne die Finals in Meisterschaft und Cup erreichen. Und wenn man einmal dort ist, will man logischerweise gewinnen.

Ist die Mannschaft stärker als letzte Saison?
Eine Einschätzung ist vor Saisonbeginn schwierig zu machen. Es gibt immer Unwägbarkeiten. Mit Manuel Sutter haben wir einen neuen Libero. Er braucht sicher noch etwas Angewöhnungszeit und einige Spiele, bis er sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Der 40-jährige Denis Milanez bringt grosse Erfahrung mit, was uns auf der Passeurposition zusammen mit Stammpasseur Marco Gygli gute Varianten ermöglicht. In der Mitte und im Diagonalangriff sollten wir besser sein als letzte Saison. Deshalb sagt mir mein Gefühl, dass wir übers Ganze gesehen stärker sind.

Weshalb trennte man sich von Toni Kankaanpää und den Brüdern Stefan und Ugi Ilic, die ihre Sache doch gut gemacht hatten?
Kankaanpää hat ein Studium aufgenommen und ist deshalb zurück nach Finnland. Daneben spielt er weiter Volleyball. Bei den Ilic war es so, dass wir Ugi, der als Diagonalangreifer zu wenig Routine besass, ersetzen wollten. Weil US-Boys in früheren Jahren in Näfels nicht nur gut gespielt, sondern auch Emotionen ausgelöst hatten, wünschte Präsident Martin Landolt einen Spieler aus den USA. Um allfälligen Konflikten in der gemeinsamen Wohnung vorzubeugen, entschieden wir uns für zwei Amerikaner.

Und, können die US-Amerikaner diese Emotionen wecken?
Das ist jetzt lustig. Dean Bittner und Dan Alexander sind keine typischen Amis. Es sind zwei ruhige und besonnene Männer und gar nicht der Typ Amerikaner, den man sich so vorstellt.

Es reicht ja, wenn sie Winner-Typen sind.
Ja, genau.

Dass sich Dalibor Polak nun vollständig auf die Arbeit als Trainer konzentrieren kann, dürfte sich positiv auswirken?
Für ihn ist das auch eine neue Situation. Aber wir versprechen uns einiges davon. Die Spieler sind jedenfalls von seinen Trainings begeistert. Er korrigiert auch viel mehr als früher. Es wirkt, als ob er jetzt mehr Chef und Respektsperson ist.

Im Kader von Biogas Volley Näfels sind vier Spieler aus dem St. Galler Linthge- biet. Die Zusammenarbeit mit dem TSV Jona scheint gut zu klappen?
Das ist so. Joner Spieler können bei uns NLA-Luft schnuppern. Die Jüngeren werden abwechslungsweise bei Näfels oder Jona eingesetzt. Sechs Näfelser besuchen die Talentschule in Jona. Mit Daniel Stauffer hat Jona nun sogar einen ehemaligen Näfelser Spieler als Sportchef engagiert. Damit dürften aber auch die Ambitionen der Joner gestiegen und ein Aufstieg in die NLA eher als bisher im Fokus sein.


Was wäre wenn? Zum Glück muss sich der Näfelser Teammanager Ruedi Gygli diese Gedanken nicht mehr machen, die NLA-Zukunft der Näfelser Volleyballer ist vorerst gesichert.