Cupfinal mit bitterem Ende: Näfels fordert Amriswil
Volley Näfels hat den Cupfinal verloren – und sich am Ende auch über die verpasste Chance ärgern müssen. In Winterthur unterlag das Glarner Team Titelverteidiger Volley Amriswil mit 1:3.
von Peter Aebli
Besonders schwer wog dieser Nachmittag auch emotional: Die Näfelser liefen mit Trauerflor auf – zu Ehren von Mani Müller, ehemaliger Spieler und Vorstandsmitglied, der am Donnerstag viel zu früh verstorben war. Gerade deshalb hätte dieser Tag aus Näfelser Sicht ein Fest werden sollen.
Ein missratener Start
Der Beginn gelang Näfels überhaupt nicht. Amriswil servierte druckvoll, blockte stark und hatte mit Bruno Jukic-Sunaric sofort einen prägenden Spieler auf dem Feld. Näfels wirkte nervös, leistete sich ungewohnt viele Fehler und verlor früh den Zugriff auf die Partie.
Erschwerend kam die Schrecksekunde um Topscorer Pablo Denis Cabañas hinzu, der gleich zu Beginn nach einem Zusammenprall behandelt werden musste. Captain Risto Nikolov sagte später, das Team habe nach diesem Moment zu emotional und zu wenig klar reagiert. Genau so sah es aus: Näfels fand im Angriff zunächst kaum Lösungen und musste den ersten Satz deutlich abgeben.
Die Antwort eines Spitzenteams
Wer nun einen Einbruch erwartet hatte, lag daneben. Näfels reagierte stark – getragen auch von den tollen Glarner Fans, die in Winterthur für Stimmung sorgten. Plötzlich war wieder jene Mannschaft zu sehen, die in der Meisterschaft überzeugt hat.
Die Annahme stabilisierte sich, Libero Jonas Peter brachte Ruhe ins Spiel, und auch über die Diagonalposition kam Näfels wieder besser zum Abschluss. Amriswil servierte nicht mehr ganz so kompromisslos wie zu Beginn, Näfels nutzte diese Phase und holte sich verdient den zweiten Satz. Coach Ignacio Verdi Brusati sah darin genau das, was seine Mannschaft auszeichnet: hart arbeiten, verteidigen, am Block zulegen und den eigenen Stil durchziehen.
Der dritte Satz kippt früh
Umso ärgerlicher war der Verlauf des dritten Umgangs. Näfels geriet sofort 0:5 in Rückstand und lief diesem Fehlstart danach permanent hinterher. Die Annahme geriet erneut unter Druck, viele Angriffe mussten über hohe Bälle gelöst werden; der Mittelblock kam kaum noch zur Geltung. Gleichzeitig las der physisch starke Amriswiler Block die Näfelser Angriffe immer besser.
Der eingewechselte Christian Bartholet brachte frische Energie, doch der frühe Rückstand prägte den Satz von Beginn weg. Näfels kämpfte sich nie ganz zurück und verlor mit 18:25.
Die verpasste grosse Chance
Richtig bitter wurde es im vierten Satz. Näfels führte 16:10 und hatte das Tiebreak, vielleicht sogar die ganz grosse Wende, plötzlich vor Augen. In dieser Phase war Amriswil angeschlagen, Näfels hatte das Momentum auf seiner Seite und schien dem Ausgleich näher denn je.
Doch genau dann zeigte der Titelverteidiger seine Routine. Der Vorsprung der Näfelser schmolz Punkt um Punkt dahin. Mit Étienne Schalch hatte Amriswil zudem einen Spieler in seinen Reihen, der nicht spektakulär sein muss, um permanent Wirkung zu entfalten. Näfels stemmte sich dagegen, konnte den Einbruch aber nicht mehr stoppen. Der Satz ging 20:25 verloren – und mit ihm der Cup.
Ärger, aber auch ein Signal
Präsident Martin Landolt sprach von Jammern auf hohem Niveau. Diese Saison und dieses Team seien grossartig. Aber natürlich bleibe der Ärger, dass man den Schwung aus dem zweiten Satz nicht habe mitnehmen können und einen Fünf-Punkte-Vorsprung im vierten Satz nicht ins Ziel brachte. Amriswil, sagte Landolt, sei an diesem Tag eine Naturgewalt gewesen. Und trotzdem steckt in seinen Worten auch Zuversicht: «Wenn wir unsere Heimstärke behalten, können wir Meister werden. Und auch zwei Silbermedaillen als „worst Case“ hätte ich im letzten Herbst mit Freude unterschrieben.»
Auch Trainer Verdi Brusati richtete den Blick rasch nach vorne. Seine wichtigste Aufgabe sei nun, der Mannschaft klarzumachen, dass sie nach dieser Niederlage nicht plötzlich schlechter sei. Nach zehn Jahren stand Näfels wieder in einem Cupfinal, hielt gegen Amriswil phasenweise voll dagegen und weiss nun auch, woran es in den entscheidenden Momenten gefehlt hat.
Der Pokal ist weg. Aber dieser Final hat auch gezeigt, dass Amriswil nicht ausser Reichweite ist. Für die bereits am Samstag beginnenden Playoff-Duelle könnte genau diese Erkenntnis besonders wertvoll sein.





























































































