Sonntag, 11. März 2012; 19:11
Allgemein

Cupfinal 2012: War es die falsche Taktik oder ganz einfach nur der Kopf?

Von: Rolando K. Küng

Die sechste Cupfinal-Niederlage seit 1981 passierte nicht gegen einen haushoch überlegenen Gegner. Vielmehr war Volley Amriswil ganz einfach besser auf Seat Volley Näfels eingestellt als umgekehrt. Ausserdem scheint die Formkurve der Finalisten gegenläufig zu sein.

 

 

Seat Volley Näfels hat am Samstag eine sehr gute Gelegenheit nicht nutzen können seinen achten Cupsieg der Vereinsgeschichte einzufahren. Volley Amriswil seinerseits beendet damit eine Serie von drei Finals, in welchen es gegen die Glarner jeweils den Kürzeren gezogen hat. Jede Serie hat einmal ein Ende, nur schade dass es gerade jetzt passierte, denn diese Niederlage wäre vermeidbar gewesen. Dario Bettello, dem neuen Amriswil-Coach ist es aber gelungen und dies innert kürzester Zeit, seine Spieler umzupolen. Befanden sich die Thurgauer vor seinem Antritt im Amt eher in einer Form- und Leistungskurve welche abwärts zeigte, konnte er mit dem überzeugenden Sieg gegen Lugano in der Meisterschaft und mit diesem Cupsieg den Verlauf des Vektors drehen und wieder nach oben richten.

 

Näfelser Ersatzbank war zu dünn
Im Gegensatz dazu stehen die Spieler von Seat Volley Näfels. Noch im Januar in Höchstform, erreichten sie nach einer eher mässigen Vorrunde im Herbst, in extremis noch das Ticket zur Teilnahme an der Playoff-Final-Quali. Das war bestimmt ein Höhepunkt, wie auch der Sieg gegen Schönenwerd im Cupviertelfinal. Alle schwebten auf Wolke sieben, doch dann kam die Pause von drei Wochen mitten in der Saison. Und nun ist es klar, dieser Unterbruch hat den Spielern mehr geschadet als genützt. Der fantastische Rhythmus war gebrochen und seither gab es nur noch ein knapper Sieg sowie eine knappe und eine klare Niederlage. In Punkten ausgedrückt wären das 3:6-Punkte. Coach Matus Kalny konnte einem leid tun in diesem Finale. Während sein Gegenpart Bettello mit Spielerwechseln aus dem vollen schöpfen konnte, hatte er selbst nur sehr beschränkte Möglichkeiten dazu. Zu sehr war er darauf angewiesen, dass seine Stammsieben das Maximum herausholen konnte. Und das tat leider nur Libero Dani Werner, welcher auch zu Recht zum besten Näfelser Spieler gewählt wurde und dafür den goldenen Mikasa-Volleyball in Empfang nehmen durfte. Bei allen anderen Spielern gab es zwar durchaus gute Phasen, aber halt doch zuviele schlechte. Die Annahmen welche die beiden Passeure erhielten, erlaubten diesen zu oft nur noch die Alternativlösung zu spielen. Und auch auf diese war Gegner Amriswil mit seinem sehr aufmerksamen Blockspiel meist noch gut vorbereitet. Daraus resultierte die miserable Auswertung der Chancen im Angriff. Marek Tomas erreichte jeweils noch knapp 50%, aber bei Chef Dalibor Polak und Zlatko Pulko lag sie sogar zum Teil erheblich unter diesem Wert, wie auch bei den beiden Mittelangreifern Klapal und Illic. Fabian Brander war in Satz drei anstelle von Pulko ein Lichtblick, doch schon im vierten Satz tauchte auch er wieder ab und wurde erneut durch Pulko ersetzt. Kein einziger Spieler von Seat Volley Näfels war in der Lage, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Entsprechend verdüsterte sich auch die Mine von Präsident Martin Landolt und Manager Ruedi Gygli im Verlauf des vierten Satzes zusehends. Man brauchte nur ihnen ins Gesicht zu sehen, dann wusste man, es war um Seat Volley Näfels in diesem Cupfinal geschehen.

War's das schon?
Dass trotz den schwierigen Bedingungen die ersten beiden Sätze nur sehr knapp verloren gingen und der dritte gewonnen werden konnte, spricht einmal mehr für den Kampfgeist des Teams. Auf dieser Erkenntnis muss jetzt aufgebaut werden und man darf hoffen, dass die Form der Leistungsträger just auf den wichtigsten Zeitpunkt noch einmal zurückkehrt. Sonst müsste man im Nachhinein feststellen, dass sich die Spieler mit dem Erreichen des Cupfinals und dem Eintritt unter die besten fünf Teams zur Quali für die Playoff-Finals, in ihrem Unterbewusstsein etwas zu früh bereits zufrieden gegeben haben. Und der Titel eines Vize-Cupsiegers wäre dann auch ein bisschen wenig - zu wenig, für einen Klub mit der Tradition des grossen Seat Volley Näfels.

Bild: Köbi Hefti - Am mangelnden Einsatz lag es bei Polak, Illic, Tomas und Co. bestimmt nicht