Freitag, 9. März 2012; 18:25
Allgemein

Bringt der 13. Cupfinal die achte Trophäe?

Als erster Höhepunkt der Saison steht heute Samstag der Volleyball Cupfinal in Bern auf dem Programm. Bei den Herren ist dieser eine reine Ostschweizer Angelegenheit. Die grossen Erzrivalen Volley Amriswil und Seat Volley Näfels treffen dabei in ihrer Geschichte zum vierten Mal in einem Final aufeinander.

 

Volleyball. – Sämtliche bisherigen Finals zwischen diesen beiden Klubs konnten die Glarner gewinnen. So gesehen haben die Thurgauer also einiges gut zu machen und nun also Gelegenheit, ihrerseits zum dritten Mal (nach 1999 und 2009) Cupsieger zu werden. Die Vorzeichen stehen für Volley Amriswil nicht schlecht, obwohl die Näfelser Volleyballer ihren Finalgegner diese Saison bereits zweimal auswärts im Tellenfeld bezwungen haben. Vor Wochenfrist haben aber die Oberthurgauer das derzeit wohl stärkste Team der NLA, Pallavolo Lugano glatt mit 3:0 abgekanzelt. Gerade in etwa so, wie dies die Tessiner ihrerseits eine Woche vorher mit Volley Näfels gemacht haben. Nach dieser Logik startete Volley Amriswil nun also als haushoher Favorit in dieses Spiel. Dass dies aber trotzdem nicht so ist, ist vielleicht nicht zuletzt der besonderen Atmosphäre und der grossen Bedeutung eines Cupfinals zuzuschreiben.

 

Vier Amriswiler waren schon Näfelser

Dario Bettello der neue Trainer von Volley Amriswil ist ganz bestimmt ein ausgewiesener Volleyball Fachmann. Doch auch er kocht nur mit Wasser und die Mannschaft hat sich seit der letzten Begegnung mit Volley Näfels nur auf einer Position verändert. Roosewelt de Oliveira, der Brasilianer, trägt als Ersatz für den verletzten Serben Petar Turanjanin nun neu nicht mehr das gelbe Näfelser Trikot, sondern das blaue der Volleyballer aus Amriswil. Roosewelt wurde letzten Frühling als Mittelblocker mit Volley Näfels Meister und spielte offenbar so gut, dass dies auch der Amriswiler Chefetage nicht verborgen blieb. Nach der Verletzung von Turanjanin wurde der Riese (2.06m) bei einem Provinzklub in Brasiliens Nordosten geortet und flugs für Amriswil's Mitte engagiert. Und so steht nun also nicht nur er als Ex-Näfelser auf der andern Seite des Netzes gegen seinen ehemaligen Klub, sondern auch noch drei weitere Spieler. Es sind dies die beiden Passeure Cao Gilman Herrera und Marco Bär sowie Marc Walzer, der Mittelblocker. Alle haben sie etwas gemeinsam. Alle wurden mit Seat Volley Näfels schon Schweizermeister. Aber nur die beiden Passeure Bär und Herrera wissen auch, wie süss ein Cupsieg im Trikot von Näfels schmeckt.

 

Wer setzt die entscheidenden Impulse?

Spieler und Betreuer kennen sich also gegenseitig bestens und vieles wird in winzig kleinen Details entschieden. Coach Matus Kalny hat gezeigt, dass er das geübte Auge hat fürs Spiel. Er sieht und spürt sehr schnell Entwicklungen in seiner Mannschaft und reagiert entsprechend darauf. Meistens haben seine Interventionen auch die entsprechende Wirkung gezeigt. Vielleicht mit Ausnahme des Lugano-Spiels, wo aber bei allen nichts lief. In einem Cupfinal ist es meistens hektisch und auch die Lärmkulisse um vieles höher als bei einem normalen Spiel in der Meisterschaft. Die Näfelser Volleyballer sind aber durchwegs Profi genug, auch mit dieser Situation fertig zu werden. Und das selbe kann auch von den Volleyballern aus Amriswil gesagt werden. So kann z.B. entscheidend sein wie gut Dalibor Polak sein Visier eingestellt hat oder wie gut Libero Dani Werner in der ungewohnten Halle die Bälle auf sich zufliegen sieht. Auch Marek Tomas kann ein Schlüsselspieler sein, wenn es ihm gelingt, seine Annahmen perfekt auf seinen Passeur zu spielen und er seine Angriffsbälle wieder so verwertet wie im Januar. Zlatko Pulko, zurecht erneut zum besten Näfelser erkoren im Spiel gegen Chênois spielt meist spektakulär. Mit seiner riesen Sprungkraft vermag der eher kleine Spieler zu begeistern. Und sein schneller Armzug verhilft ihm auch zu sensationellen Angriffen und dies nicht nur am Netz, sondern auch schon gleich beim Service. Da ist jedes seiner Geschosse eine Gefahr und bereits ein möglicher Punkt. Und wenn Stefan Illic wieder bereits früh im Spiel wahre Energieschübe bekommt wie gesehen im Januar-Spiel gegen Volley Amriswil, kann auch er wesentlich zu einem positiven Verlauf beitragen. Thomy Büsser als Captain kam in letzter Zeit nur noch zu Teileinsätzen, ist aber routiniert genug, sofort erfolgreich ins Spiel einzugreifen. Martin Klapal dürfte dank Topmotivation ebenfalls wieder eine bessere Leistung gelingen als im letzten Spiel und Fabian Brander kann jederzeit sowohl auf Diagonal wie auch im Aussenangriff positive Impulse setzen. Seine Hürde ist jeweils sein eigenes Selbstvertrauen. Aber in einem Cupfinal, vor so vielen Leuten spielen zu können wird auch ihm Adrenalinschübe verleihen und ihn zur Höchstform auflaufen lassen. Ivan Bedrac am Pass muss sich spätestens seit seinem Meistertitel hinter keinem andern Passeur der Schweiz mehr verstecken und seine Services sind ebenfalls brandgefährlich. Und last but not least vermag auch Marco Gygli dank seiner Coolness immer wieder mit Kaltstart ins Spiel einzugreifen wenn es mal brenzlig wird und er von Bedrac die Verantwortung am Pass übernehmen muss. Die beiden Youngsters Beeler und Ehrat dürfen bei diesem Cupfinal nicht mittun, da sie vorher schon mit dem TSV Jona im Cup im Einsatz standen.

 

Die unsichtbare Wand

Eine Prognose zu wagen ist kein einfaches Unterfangen. Schaut man auf die Geschichte der Cupfinals der letzten 15 Jahre, ist Seat Volley Näfels aufgrund seiner sieben Siege, wovon drei gegen den heutigen Gegner Volley Amriswil, der klare Favorit. Ob es der Bettello-Truppe gelingt, ausgerechnet in diesem Jahr die unsichtbare Wand zu durchbrechen, wird sich zeigen. Die letztjährige Finalniederlage gegen Lausanne UC wollen sie sicher lieber nicht wiederholen. Nach vier Jahren ohne Cupsieg will aber auch Seat Volley Näfels diesen "Chübel" unbedingt und für Martin Landolt wäre es in seinem ersten Jahr als neuer Präsident ein Einstand nach Mass, zumal noch in Bern, dem Ort seines Wirkens als Politiker.

 

 

 

 

 

 

Bild: Köbi Hefti - Martin Klapal soll die Punkte in der Mitte buchen