Donnerstag, 24. April 2014; 14:55
NLA

Biogas Volley Näfels‘ Bilanz dieser Saison ist durchwegs positiv

Von: Köbi Hefti

Im Gespräch mit der Südostschweiz blicken Teammanager Ruedi Gygli und Coach Dalibor Polak auf die vergangen Saison zurück. Sie nehmen Stellung zu Thesen, welche die Saison von Biogas Volley Näfels prägten. Obwohl nicht alles wunschgemäss lief sind der Teammanager und der Coach mit dieser Saison mehr als zufrieden.


Mit Ruedi Gygli und Dalibor Polak sprach Köbi Hefti

Südostschweiz: Obwohl der vierte Rang in der Meisterschaft eine grosse Enttäuschung ist, mit dem Cupsieg gegen das übermächtige Lugano ist Näfels eine der grössten Überraschungen im Herrenvolleyball der Schweiz überhaupt gelungen. Näfels darf von einer sehr erfolgreichen Saison sprechen.

Ruedi Gygli: Das ist ganz klar so. Trotz des „nur“ vierten Ranges ist die Saison dank des Cupsieges erfolgreicher verlaufen, als wir dies zu Beginn der Saison hofften. Wir setzen uns zwei Finalteilnahmen zum Ziel. Jetzt haben wir einen Titel, was wertvoller ist als zwei Finalteilnahmen ohne Titel. Klar ein dritter Platz in der Meisterschaft wäre schön gewesen, doch dank des Cups wäre dieser Erfolg nur kurz Zeit in Erinnerung geblieben.

Dalibor Polak: Der Cupsieg war super, aber damit habe ich die ganze Saison gerechnet (Polak schmunzelt). Dass wir den kleinen Final nicht gewonnen haben, finde ich sehr schade. Damit hätten wir sagen können, dass Näfels und Lugano mit je zwei Medaillen die erfolgreichsten Teams waren.

Südostschweiz: Näfels hat den Sieg im Cup nur deshalb erreicht, weil es in der Play-off Runde nicht wunschgemäss lief und der Play-off Final „zum Glück“ verpasst wurde. So sparte das Team seine ganze Energie für den Cup auf.

Dalibor Polak: Ja, das ist auch meine Meinung. Wären wir in beiden Finals gewesen, so wären wir zufrieden gewesen. So aber waren wir für dieses eine Spiel im Cupfinal siegessicher und bereit.

Ruedi Gygli: Ich bin genau gleicher Meinung. Es wäre uns eventuell gleich ergangen wie Schönenwerd, bei welchem nach dem Erreichen des Play-off Finals die Luft draussen war. Das Saisonziel wäre bereits erreicht worden. So aber war der Cupfinal die einzige Chance, uns zu profilieren.

Südostschweiz: Mit dem Namenssponsor Biogas Obersee hat Näfels einen Partner gefunden, der diesen Erfolg erst ermöglichte. Ohne ihn hätte Näfels unten durch müssen.

Ruedi Gygli: Ja, das ist so. Ohne die Unterstützung der Erdgas Obersee AG hätten wir nicht die finanziellen Mittel gehabt um das Team so zusammenstellen zu können. Wir wären vermutlich irgendwo zwischen Rang fünf und acht gelandet.

Südostschweiz: Der Cupsieg müsste sich finanziell ebenfalls positiv auswirken. Gibt es jetzt mehr Geld vom Hauptsponsor?

Ruedi Gygli: Wir haben einen Dreijahresvertrag. Für einen Titel gibt es eine Prämie. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen.

Südostschweiz: Mit Dalibor Polak als „Nur Coach“ hat Näfels grosse Fortschritte im taktischen Bereich erzielt, war auf den Gegner stets sehr gut eingestellt und dominierte im Normalfall klar.

Dalibor Polak: Es war nicht nur die Taktik. Die Mannschaft muss dann auch noch ihr ganzes Können ausspielen. Meine beste taktische Leistung war das Spiel in Lugano eine Woche vor dem Cupfinal, als wir nur im ersten Satz wirklich spielten, ohne aber all unsere Karten aufzuzeigen, dann aber eine Woche später Lugano besiegten. Für mich war dieses erste Jahr als Trainer eine grosse Schule und ich lernte jeden Tag und bei jedem Spiel etwas dazu.

Südostschweiz: Das Team 13/14 spielte auf dem höchsten Niveau, das Näfels je hatte. Die Zusammensetzung des Teams stimmte. Der Schlüssel dazu war, dass mit Denis Milnaez ein Tempo-Passeur im Team war, der dem ganzen Team Vollgas-Volleyball schmackhaft machte und alle mitriss.

Dalibor Polak: Es ist nicht nur die Geschwindigkeit. Für Denis Milanez ist der Ball ein Spielzeug. Man weiss nie, was er macht. Manchmal musste ich ihm sagen, dass er nicht so kreativ spielen soll, weil er damit zeitweise nicht den Gegner, sondern seine Mitspieler überraschte. Schnell zu spielen und gut zu servieren sind aber Schritte in die richtige Richtung.

Ruedi Gygli: Es war schon immer der Wunsch Dalibors, schnell zu spielen. Dies entspricht dem modernen Volleyball. Mit Denis Milanez ist uns dies gut gelungen.

Südostschweiz: Fast alle Spieler haben die Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen. Einzig Dean Bittner wegen seiner Schulterverletzung und Zlatko Pulkos fehlende Konstanz können kritisiert werden.

Dalibor Polak: Pulko ist jetzt im besten Volleyballalter, trotzdem ist er nicht konstant. Solches hat man beispielweise bei Nico Beeler nicht gesehen. Wenn Zlatko aber gut spielt, dann möchte ich nicht auf der Gegenseite stehen, er ist wirklich ein Superspieler. Dean Bittner, den ich besonders beobachtete, da er meine ehemalige Position übernahm, spielt ganz anders als ich. Er agiert mit Köpfchen und nicht wie ich hauptsächlich mit voller Kraft. Dazu war er am Block sehr stark. Es war wirklich schade, dass er sich verletzte.

Ruedi Gygli: Pulko sehe ich gleich wie der Trainer. Vielleicht haben wir die Situation am Ende der letzten Saison nicht ganz richtig eingeschätzt, als er als Annahmespieler überzeugte. So entschieden wir uns, ihn für diese Saison auf dieser Position vorzusehen. Doch dabei schwächelte er etwas. Während der letzten Spiele jedoch, als er als Diagonalangreifer spielte, brachte er seine Leistung. Dean Bittner macht seine Punkte. Der Ausfall von ihm ist jedoch mit ein Grund, dass es in den Play-offs nicht mehr so lief, weil er vermutlich seine Verletzung schon länger spürte.

Südostschweiz: Dass es in der heissen Phase im Februar und März nicht lief, hat auch damit zu tun, dass den Spielern wegen der Junioren SM (Nico Beeler und Samuel Ehrat) und Krankheit die Kraft fehlte. Darauf wurde wenig Rücksicht genommen, nicht genügend Regeneration zugelassen. So brauchten einige Spieler sehr lange, bis sie wieder bei Kräften waren.

Dalibor Polak: Ich bin kein Fitnesscoach. Aber ich habe dies eher umgekehrt erfahren. Nach mässigen Auftritten haben wir jeweils härter trainiert und danach gut gespielt. Ich denke, dass im Volleyball alles im Kopf abläuft. Aber die Profis müssen dies selber regeln, während bei den Schweizern, welche zur Schule gehen, die Regeneration wirklich schwierig ist. Diese sind immer voll ausgelastet. Wenn aber jemand zu mir kommt, dann bin ich immer offen, um Lösungen zu finden.

Ruedi Gygli: Es waren nicht nur diese beiden Wochen, die nicht gut waren. Schon die Spiele im Januar, die wir zwar gegen eher schwache Gegner alle klar gewannen, waren nicht so stark. Dies haben wir etwas unterschätzt und schöngeredet. Dies hat auch der Trainer im Nachhinein so gesehen und bestätigt. Die Regeneration war aber in der Tat nicht so gut, kaum waren die Spieler nicht mehr im Bett, mussten sie schon wieder ran, weil unser Kader so klein war. Dass nach einer Krankheit die Kraft fehlte, trifft sicher zu.

Südostschweiz: Näfels hat seit Januar nur gegen Lugano sein volles Potenzial ausgeschöpft. Die Mannschaft hat sich zu stark auf den Liga-Primus fokussiert.

Dalibor Polak: Es gibt Gegner, gegen die spielt man immer gut, gegen andere nicht. Ich glaube, dass Lugano gegen uns Probleme hatte, nicht so dominant auftreten konnte. Gegen Lugano waren wir immer aggressiv, zeigten, was wir konnten.

Ruedi Gygli: Lugano ist eine Top-Mannschaft, welche sehr gut spielt, nichts dem Zufall überlässt. Gegen diesen Gegner waren wir immer sehr motiviert. Wir spielten sehr gerne gegen die Tessiner. Andere Teams hingegen überraschten uns öfter, weil vieles auch zufällig passierte.

Dalibor Polak: Lugano spielt Volleyball, während andere Teams Anti-Volleyball zeigten, die Bälle fast übers Netz warfen. Gutes Volleyball ist, wenn man dem Gegner sein Spiel aufzwingt.

Südostschweiz: Es gab während der Play-off Runde Unstimmigkeiten zwischen dem Umfeld und einzelnen Spielern. Diese Kritik, welche teilweise nicht unter vier Augen erfolgte, hat der Mannschaft geschadet, weil sie Trotzreaktionen auslöste.

Ruedi Gygli: Wenn Zlatko Pulko, den wir als Leader anstellten, junge Spieler kritisiert, selber aber der Leader-Rolle nicht ganz gerecht wird, so muss er selber auch Kritik ertragen können. Ich war mit ihm nicht zufrieden. Dass diese Kritik praktisch öffentlich direkt nach dem Spiel erfolgte, darf man wirklich hinterfragen, aber auch von seiner Seite, hat er doch dasselbe gemacht.

Nach dem Sieg im Cup dürfte die Personalie Polak kein Thema sein. Er bleibt bei Näfels.

Ruedi Gygli: Wir möchten sehr gerne mit Dalibor Polak weitermachen und ich hoffe, dem steht nichts im Wege. Er leistet hervorragende Arbeit. Auch ohne Titelgewinn hätte sich daran nichts geändert. Doch vorerst geht er in die Ferien. Nach Ostern werden wir die Gespräche führen.

Südostschweiz: Das Team hat einige Abgänge zu verkraften: Büsser hört auf, Milanez wird Trainer beim BTV Luzern, Beeler wechselt zum Beach-Volley. Dazu dürften auch andere Spieler nicht mehr dabei sein. Um auch nächste Saison so gut zu spielen, ist ein neuer Klasse-Passeur der Schlüsselpunkt.

Ruedi Gygli: Wir haben die Situation noch nicht analysiert. Wir werden dies nach Ostern zusammen beurteilen - auch in finanzieller Hinsicht. Auf der Passeur-Position haben wir in den letzten Jahren mit Ivan Bedrac und Marco Gygli und dieses Jahr mit Denis Milanez – er war auch noch Trainer des 1. Liga Teams und belastete somit das Budget der ersten Mannschaft weniger - immer Geld gespart. Wenn wir einen ausländischen Zuspieler engagieren, kostet es viel Geld, das dann an anderer Stelle fehlt. Das Wie und Was müssen wir genau anschauen.

Südostschweiz: Der TSV Jona ist in die NLA aufgestiegen. Das heisst, die jungen Joner kommen nicht nach Näfels, sondern bleiben bei ihrem Stammverein und spielen in der NLA.

Ruedi Gygli: Wir werden wieder Gespräche führen. Es hat sich gezeigt, dass sich junge Spieler dann verbessern können, wenn sie von guten Spielern lernen können, wie dies bei uns der Fall ist. Auch wenn Junge anfänglich nur selten zum Einsatz kommen, später können sie Leistungsträger werden.  Beispiele wie Marc Walzer, Andi Sutter, Nico Beeler und Samuel Ehrat beweisen dies. Der Entscheid, ob Joner auch nächstes Jahr bei uns sind, liegt am Ende jedoch bei den Spielern selbst.

Südostschweiz: Wann steht die neue Mannschaft 14/15 fest?

Ruedi Gygli: Am Ostermontag haben wir Budgetsitzung. Einige Verträge mit namhaften Sponsoren laufen aus, die wir sehr gerne verlängern möchten. Wir hoffen, dass das Budget ähnlich ausfällt wie dieses Jahr. Nicht immer ist der teuerste aber auch der beste Spieler, viel wichtiger ist der Wille mit Näfels etwas zu erreichen. Dan Alexander beispielsweise hat es bei Näfels so gut gefallen wie bisher nirgendwo. Er kommt wieder, falls er kein Angebot eines Vereins aus einer attraktiven Liga bekommt. Sobald wir mehr wissen, Namen bekannt sind, werden wir dies bekanntgeben. 

Dalibor Polak ist nach dem Cupsieg sehr zufrieden.