Axpo Volley Näfels: Die Begeisterung soll bleiben
Neue Gesichter, neue Rollen, aber dieselbe Leidenschaft: Axpo Volley Näfels will mit einer jungen Mannschaft an die Begeisterung der vergangenen Saison anknüpfen. Erste Prüfsteine sind der Supercup am Samstag und der Heimauftakt gegen Lausanne am Sonntag.
Von Köbi Hefti
Für Axpo Volley Näfels beginnt die neue Saison, wie die letzte endete: mit einem Finalspiel. Am Samstag, 17. Oktober, trifft das Team in Gümlingen (Bern) im Supercupfinal auf Amriswil. Trainer Ignacio Verdi bezeichnet diesen ersten Ernstkampf als «Geschenk» für eine vergangene Saison, die nicht nur sportlich aussergewöhnlich war.
Unvergessen ist vor allem die Freude, mit der die junge Truppe, vom gesetzteren Publikum liebevoll «die Buben» genannt, durch die Saison ging. Die Spieler jubelten, feierten gemeinsam jeden Punkt und rissen damit das Publikum mit. In der Linthhalle herrschte fast Spiel für Spiel eine Stimmung, wie man sie zuvor nur an besonderen Abenden erlebt hatte. Wie ansteckend diese Begeisterung war, erlebte ausgerechnet einer, der damals noch auf der Gegenseite stand.
Ein Abend, der hängen blieb
Im März verlor James Norris mit Chênois das dritte Playoff-Halbfinalspiel in Näfels. Doch nach Spielende verschwand er nicht einfach in der Kabine. Er blieb lange in der Halle, sprach mit Leuten, liess sich mit Fans fotografieren. Heute trägt der 26-jährige Amerikaner das Näfelser Trikot. Dass dieser Abend seinen Entscheid beeinflusst habe, bestätigt Norris ohne Zögern. «Diese Atmosphäre und die Unterstützung, die man hier von allen bekommt, habe ich in dieser Form noch nie erlebt.»
Dass sich Norris in Näfels wohlfühlt, liegt aber nicht nur an den Volleyballfans. Auch das ruhige Leben im Glarnerland gefällt ihm. Seine Heimat ist Quartz Hill, rund eine Autostunde von Los Angeles entfernt. «Ich bin in der Nähe einer Ranch aufgewachsen. Ich kenne dieses ruhige Leben sehr gut – und auch Kuhglocken, die man den ganzen Tag hört.»
An einem freien Tag steht Norris gerne früh auf, trinkt auf der Veranda einen Kaffee und sitzt etwas im Garten. Danach geht es vielleicht ins Wellness und an den Klöntalersee. Am Abend kocht er und schaut fern. «Einfach nichts allzu Anstrengendes», sagt er.
Neue Verantwortung
Für Ezequiel Vasquez ist Näfels inzwischen zu einem zweiten Zuhause geworden. Vor einem Jahr war für den Argentinier noch alles neu. Heute geniesst er die hohe Lebensqualität und die Berge. Besonders freut ihn, wenn ihn Fans auf der Strasse erkennen und mit einem «Hey Eze, wie geht es Dir?» begrüssen.
Gleichzeitig hat sich seine Rolle verändert. Der Zuspieler ist neu Captain. Ob ihm die Vertrautheit mit dem Umfeld auch mehr Freiheit und Lockerheit auf dem Feld gebe? Vasquez wählt ein anderes Wort. «Ich übernehme mehr Verantwortung als im vergangenen Jahr.» Diese Rolle sei für ihn eine grosse Ehre – Verantwortung gegenüber den Mitspielern, dem Verein und den Fans.
Abseits des Volleyballfeldes zeigt Vasquez eine ganz andere Seite. «Im normalen Leben bin ich eher ein ruhiger, entspannter Mensch. Aber auf dem Spielfeld schreie ich die ganze Zeit, springe herum und feiere.» Wer ihn in der vergangenen Saison spielen sah, weiss, wovon er spricht. Seine ruhigen Momente geniesst er mit einem Mate, während er auf die Berge schaut.
Kein Rang, sondern ein Projekt
Coach Ignacio Verdi weiss, dass sich die Erfolge der vergangenen Saison nicht einfach wiederholen lassen. Zu viel hat sich verändert, zu jung ist die neue Mannschaft. Doch genau darin sieht er eine Chance. «Näfels wird eine Mannschaft sein, die Spieler entwickelt», sagt der Coach. Diese Ausrichtung soll nicht nur das NLA-Team, sondern den ganzen Verein erfassen. Von Tabellenrängen will Verdi vorerst nichts wissen. «Heute ist das Ziel dieser Mannschaft, besser zu spielen als gestern. Und morgen müssen wir besser spielen als heute.» Nach der erfolgreichen letzten Saison will er die Erwartungen bewusst dämpfen. Bei allen Veränderungen soll eines bleiben: die Begeisterung, mit der die Mannschaft das Publikum mitgerissen hat. «Ich mag die Emotionen», sagt Verdi. Und er macht klar, was er von seinen Spielern erwartet: «Wenn wir nicht um jeden Ball kämpfen, wenn wir nicht in jeder Situation voll gehen, wenn wir nicht bei jeder Aktion 100 Prozent geben, dann leben wir unsere Philosophie nicht.»
Verdi freut sich auf diese Aufgabe. «Für mich ist das keine Arbeit. Ich liebe, was ich tue.» Und er hat eine klare Vorstellung davon, wie seine Mannschaft spielen soll. «Mein Traum ist, dass unsere Gegner nur ungern nach Näfels kommen, weil es gegen uns unglaublich schwierig ist, einen Punkt zu erzielen.» Selbst wenn der Gegner besser spiele, solle er möglichst dreimal angreifen müssen, um einen Punkt zu machen.
Jetzt sind die Fans dran
Ob die junge Mannschaft diesen Ansprüchen gerecht werden kann, wird sich zeigen. Nach dem Supercupfinal vom Samstag folgt am Sonntag um 17 Uhr das erste Meisterschaftsspiel daheim in der Lintharena gegen Lausanne UC. Neue Gesichter, auffällige weiss-rote Tenüs – die Fans dürfen gespannt sein, ob die Mannschaft die Begeisterung der vergangenen Saison wieder entfachen kann.




























































































