Am Ende des Krimis kein Happy End für SEAT Volley Näfels
Das Ende einer Playoff-Halbfinal-Serie mit vielen Hochs und Tiefs markiert mit der Niederlage im alles entscheidenden fünften Spiel auch den Schlusspunkt unter eine seit zwölf Jahren anhaltende Erfolgswelle der Näfelser Volleyballer. Nun bleibt nichts mehr als der Kampf um die Bronzemedaille. Damit verfehlt SEAT Volley Näfels auch noch das letzte Saisonziel. Dieses lautete nicht unbescheiden die Verteidigung aller drei gewonnenen Titel aus dem Vorjahr.
Weder den Supercup noch den Swisscup konnten die Näfelser diese Saison verteidigen. Und nun steht also fest, dass auch die Serie von drei aufeinanderfolgenden Meistertiteln abgeschlossen ist. Eigentlich kommt dieses Verdikt nicht allzu überraschend, denn die Tatsache dass fast jeder Spieler mindestens einmal mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, lässt erahnen wie schwierig eine vernünftige Planung unter diesen sehr widerlichen Umständen gewesen ist. Auch die professionellste Führung, der beste Trainer und die fachkundigsten Betreuer stehen solchen Schwierigkeiten mehr oder weniger hilflos gegenüber. Es tut nun aber bestimmt Not, den Ursachen dieser Vielfalt und Häuffung von Verletzungen auf den Grund zu gehen um wichtige und richtige Schlüsse für die nächste Saison daraus zu ziehen.
Angefangen hat noch alles gut
Vor einer Rekordkulisse begannen die Näfelser vorerst stark und lagen schnell mit vier Punkten vorne. Sofort steigerten sich jedoch die Thurgauer, machten viel mehr Druck, mit dem Resultat, dass Näfels bereits einige Fehler in Angriff und Block zu beklagen hatte. Bei 9:9 war der Spielstand zum erstenmal ausgeglichen. Die Herausforderer hielten ihre Pace und schnell erarbeiteten sie sich drei Punkte Vorsprung. Bereits hier in dieser frühen Phase des Spiels merkte man klar, dass die Jalal-Truppe mental bereit war den grossen Coup zu schaffen. Mit mehr Druck und weniger Eigenfehlern lagen sie bis zum 22:22 stets in Front. Näfels gelang es, dank viel Kampfgeist und Herz, wieder aufzuschliessen und den Satz offen zu halten bis zum Schluss. Den zweiten Satzball verwandelten die Ostschweizer durch Tomasik am Doppelblock von Passeur Guiga und Captain Landolt vorbei. Es fehlte wenig in diesem ersten Satz, die Tatsache dass dieser trotz erfolgreicher Näfelser Aufholjagd doch noch an die Gäste ging, liess bereit jetzt nichts Gutes erahnen.
Glücklicher Satzgewinn zum Ausgleich
Der Anfang des zweiten Satzes glich dem ersten wie ein Ei dem andern. Wieder startete Näfels gut und distanzierte den Gegner mit vier Zählern. Diesmal war dieses Startfurioso der Glarner aber mehr als nur ein Strohfeuer, sie punkteten regelmässig sowohl im Angriff als auch am Block. So betrug der Vorsprung auch zu Satzmitte immer noch komfortable vier Punkte. Ein time-out von Trainer Baghdady und in der Folge einige Näfelser Eigenfehler und schon war der Widersacher wieder dran. Einstand war erstmals bei 17:17. Ohne grosse Mühe gelang es den Amriswilern das Spiel ihres Gegners zu lesen, wobei hier Passeur Guiga wieder einmal eine seiner schlechteren Phasen hatte. Stereotyp spielte er wiederholt auf die selbe Seite und damit hatten die Blockspieler auf der andern Seite wirklich leichtes Spiel. Beim Stand von 23 beide, zeigten aber auch die Glarner nochmals ihr gutes Blockspiel. Karl Strempel, welcher für den mässig auftretenden Tomasik ins Spiel gekommen war, kassierte durch Roman Landolt und Guiga einen Doppelblock und verschuldete so den ersten Satzball gegen sein Team. Kurze Zeit später erging es auch seinem Teamgefährten Grabowski nicht anders und so kam Näfels zu seinem dritten Satzball, welchen dieser mit einem Angriffsfehler gleich selbst zum vielbejubelten Näfelser Satzgewinn verschenkte.
Vorentscheidung im dritten Satz für die Thurgauer
Mit dem Schwung des ersten Satzgewinns nach vier aufeinanderfolgenden Verlustsätzen, startete der Titelverteidiger mit einer Serie von drei Serviceassen des Mexikaners Carlos Guerra. Kaum hatte der Satz begonnen stand es 4:1 für Näfels. Trainer Baghdady coachte auch heute sehr gut und nahm sofort ein time-out. Trotzdem erspielten sich die Gastgeber einen Fünf-Punkte-Vorsprung. Aber auch dieser verschmolz wieder wie der Schnee an einem Föhntag und bald stand es 8:8. Liessen die Amriswiler früher noch nach einem solchen Rückstand stehts schnell die Köpfe hängen, erhöhten sie nun jeweils den Druck in ihrem Spiel und kamen stets wieder heran. Ihrem Trainer ist es ganz offensichtlich gelungen, ihnen endlich glauben zu machen, dass sie sich hinter dem heutigen Gegner nicht mehr verstecken müssen. Auch wenn sie noch einmal in Rückstand gerieten, sie kämpften sich wieder heran um beim Stand von 18:17 das zweite Service-Ass in Serie von Passeur Bär zu landen. Auch dies ein weiteres klares Indiz für die mentale Stärke der Amriswiler, denn Nationalmannschafts-Passeur Bär ist nicht unbedingt für seine Nervenstärke bekannt und plötzlich gelangen ihm zwei Asse in Serie. Die Entscheidung in diesem Satz passierte nach einer Rallye mit packendem Volleyball hüben wie drüben durch einen Fehler im Angriff von Guerra, welcher im vierten Anlauf seinen Ball in den Doppelblock knallte. Damit lag Amriswil erstmals in Führung und nun war es Grabowski welcher seine Angriffe derart unwiderstehlich vortrug, dass er diesen Satz praktisch im Alleingang entschied.
Näfels geht mit wehenden Fahnen unter
Schon der Start zum vierten Satz zeigte, dass nun der Widerstand der Glarner gebrochen war. Früh lagen diese im Rückstand und Amriswil erspielte sich über Spielstand 10:5 und 16:7 einen klaren Satzgewinn. Auf die solide Leistung der vorherigen Sätze folgte nun die Kür und die Oberthurgauer legten mit diesem Satz die Reifeprüfung endgültig ab. Bezeichnenderweise war es ein Näfelser Servicefehler welcher dem Leidensweg in diesem letzten Satz ein Ende bereitete. Der Jubel der an die hundert mitgereisten Fans war grenzenlos und die Spieler nahmen dankbar und überglücklich die vielen Gratulationen entgegen.
Stimmen zum Spiel:
Jalal Baghdady: Wenn wir das heute nicht geschafft hätten, wüsste ich auch nicht mehr, was wir denn sonst noch hätten tun sollten. Ich fühle mich sehr erleichtert. Diese Qualifikation ist auch das Resultat eines verbesserten Umfelds. Sportlich sind wir sehr sehr glücklich das nun endlich erreicht zu haben. Seit Weihnachten haben wir ja noch einmal vieles umgestellt und ich habe der Mannschaft vor diesem Spiel gesagt dass jeder von uns gut ist. Und wer jetzt nicht wirklich daran glaubt dass er gut ist, der soll einfach aufhören.
Aljoscha Grabowski: Ich fühle mich super! Am Mittwoch haben wir endgültig gesehen, dass wir das packen können und haben alle ganz fest daran geglaubt. Wir wollten heute ganz einfach gewinnen im Gegensatz zum letzten Jahr. Nun haben wir unser Ziel bereits übertroffen und alles was jetzt noch kommt ist Zugabe.
Marco Bär: Ich bin müde aber glücklich. Heute sind wir alle über uns hinausgewachsen und jeder Spieler hat seine absolut beste Leistung gebracht. Taktisch haben wir eine Meisterleistung geboten und deshalb stand der Näfelser Block öfters mal ein bisschen im Schilf. Diese Finalqualifikation ist auf jeden Fall unser grösster Erfolg und auch für mich persönlich.
Klaus Görauch: Ich möchte festhalten, dass Amriswil in dieser Serie sehr gut gespielt hat. Für mich ist das was heute passiert ist, das logische Ende einer schwierigen Saison. Die Verletzungen haben sich sehr negativ ausgewirkt. Ausserdem bin ich auch mit der Einstellung einiger Spieler überhaupt nicht zufrieden. Gewisse Leute aus dem Team haben den Klub im Stich gelassen mit ihrem Verhalten. Wir werden nun sehr schnell das Ganze analysieren und dann die Konsequenzen ziehen. Die jetzige Mannschaft wird ihr Gesicht stark verändern bis zur nächsten Saison. Ich stehe dem Klub weiterhin als Präsident zur Verfügung unter der Voraussetzung, dass hier weiterhin Spitzenvolleyball gespielt werden wird. Somit kann erwartet werden, dass wir erneut eine sehr schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen werden.
Ruedi Gygli: Amriswil steht heute da wo wir vor zwölf Jahren standen. Sie haben sehr gut gespielt und wir leider enttäuschend. Schade ist es für Captain Roman Landolt, welcher zu 99% seine Karriere bei uns beenden wird, dass er einen solchen Abschluss haben muss. Wir haben nun eine Saison hinter uns bei welcher von Anfang nichts rund gelaufen ist und es kann ja nicht sein, dass im entscheidenden Match der Spieler mit dem kleinsten Lohn die beste Leistung zeigt. Da stimmt ja wohl wirklich etwas nicht. In jedem Satz haben wir heute gut begonnnen, Amriswil hat aber wieder aufgeholt und viele glaubten wohl analog dem letzten Jahr, dass man das Ding dann schon noch drehen würde, wenn auch im letzten Moment. Eben wie letztes Jahr. Das hat nun halt aus den genannten Gründen nicht mehr funktioniert. Hätten wir den dritten Satz gewonnen mit den vielen Chancen die wir dazu hatten, wäre das Ganze vielleicht doch noch anders herausgekommen. Aber der Verlust dieses Satzes brach uns endgültig das Genick.
Roman Landolt: Ich fühle mich sehr schlecht im Moment. Meine achte Saison auf diese Weise zu beenden ist halt wirklich schade. Wir waren uns gewohnt, die Finals zu erreichen, aber Amriswil war heute einfach besser. Wir haben vor dem Spiel natürlich 110% an unsere Chance geglaubt und wer das nicht getan hat, war heute am falschen Ort. Waren wir es, welche in den früheren Jahren die grössere Erfahrenheit ausspielen konnten, hat genau dies uns in dieser Serie gefehlt. Wir waren in den entscheidenden Momenten zu wenig abgeklärt. Aggressivität hätte auch nichts mehr genützt als wir in Rücklage waren, höchstens vielleicht noch mehr Konzentration. Die grössere Aggressivität hätten wir früher ausspielen müssen.
Philipp Gabathuler: Wir standen unter grossem Druck. Jeder hat fast vorausgesetzt, dass wir auch heuer wieder die Finalqualifikation schaffen werden. Hätten wir diese Serie nun gewonnen, wäre das ganz einfach normal gewesen. Niemand wäre besonders stolz gewesen, denn man hätte dann gegen Chênois zeigen müssen, ob man wirklich zu grossem fähig ist. Für mich war es aber klar, dass wir spielerisch ein tieferes Niveau haben als letztes Jahr. Für mich persönlich waren wir gar nie der grosse Favorit. Wir haben diese Serie zuletzt mit sieben Spielern gespielt, das soll keine Entschuldigung sein für unsere Leistung, aber die Mittel waren halt doch beschränkt. Wir waren die Gejagten und das hat uns letztlich doch stark belastet.
linth-arena SGU – 700 Zuschauer – Spieldauer 99 Minuten. 18-Feb-2006 SEAT Volley Näfels – TV Amriswil 1:3 (23:25, 27:25, 22:25, 19:25)
SEAT Volley Näfels: Guiga (Passeur), Rafa (Libero), Landolt (Captain), Guerra, Gabathuler, Andy und Roman Sutter, Schnider, Gygli. Jamelão und Talmon-Gros verletzt. Trainer Juan-Manuel Serramalera
TV Amriswil: Bär (Passeur), Wälchli (Libero), Tomasik, Strempel, Cuko, Dalog, Willi, Grabowski, Hermann, Büsser. Trainer Jalal Baghdady



























































































