«All meine früheren Hobbys sind jetzt mein Beruf»
Mathis Jucker hat als Passeur schon viele Vereine in der Schweiz von innen kennengelernt. Seit dieser Saison spielt er bei Volley Näfels, dazu hat sich auch sein beruflicher Traum erfüllt.
Mathis Jucker ist der neue zweite Passeur von Volley Näfels. Der 26-jährige Aarauer ist der Wandervogel unter den Schweizer Volleyballern. In der Saison 2017/18 debütierte er bei Schönenwerd in der NLA. Danach ging die Reise weiter nach Luzern, Amriswil, zurück nach Schönenwerd und zuletzt für zwei Jahre nach Genf zu Chênois. «In Genf hat es mir am besten gefallen, mit der Mentalität der Romands, aber vor allem jener im Team mit den vielen Serben. Da spürte man, dass die Energie im Training eine andere war.» Er lernte auch Französisch, aber «nicht so gut wie ich erhofft hatte, denn im Team wurde englisch gesprochen», gesteht er. Heute Samstag kommen seine ehemaligen Teamkollegen in die Lintharena und fordern Näfels im Kampf um den dritten Rang heraus. Jucker dazu: «Dieses Spiel ist für mich nichts Spezielles. Aber ich habe immer noch Kontakt mit einigen Genfern. Ich freue mich sehr, sie zu sehen und nach dem Spiel mit ihnen Zeit zu verbringen. Es ist ein Wiedersehen mit Kollegen und Freunden.»
Gebürtiger Waliser
Zurück zu Juckers Schweizerreise, die sich «einfach so ergab», wie er sagt. Er erklärt: «Ich dachte mir, wenn ich verschiedene Orte der Schweiz erleben und gleichzeitig Volleyball spielen kann, dafür auch noch bezahlt werde, so mache ich das.» Zu seinen bisherigen Stationen sagt er: «Schönenwerd war am familiärsten. Ich kannte viele Leute und spielte mit Jugendkollegen zusammen.» In der Saison 2019/20 war er Stamm-Passeur in Luzern. Die Zentralschweizer spielten eine bärenstarke Saison, ehe Corona die Saison abrupt stoppte. Danach ging’s nach Amriswil, wo es für ihn das erste Mal so richtig professionell zu- und herging, was sehr spannend gewesen sei, so Jucker.
Mathis Jucker kam im walisischen Swansea, wo seine Eltern 14 Jahre lebten, zur Welt. Sein Vater arbeitete als Dozent an der Uni. In dieser Zeit gab es bei Familie Jucker Nachwuchs, zuerst ein Mädchen, vier Jahre später kam Mathis dazu. Als er sieben Jahre alt war, kehrte die Familie heim nach Aarau, obwohl alle längst den britischen Pass in der Tasche hatten und Englisch wie eine Muttersprache war.
Sportlicher Betriebsökonom
In Aarau durchlief Jucker die Schulen bis zur Wirtschaftsmittelschule. «Das war es dann vorerst, denn früher ging ich gar nicht gerne in die Schule. Deshalb wartete ich lange mit dem Beginn eines Studiums. Ich wollte sicher sein, dass ich etwas studiere, das mich auch wirklich interessiert.» Vor gut zwei Jahren war er so weit. Betriebsökonomie und Sportmanagement an der Fernfach-Hochschule Zürich waren seine Wahl. Er erklärt: «Man kann vor Ort sein, aber alles auch online machen, weshalb ich diese Schule wählte. Ich kann überall spielen und gleichzeitig studieren. Das ist perfekt.» Das Studium will er in zwei Jahren abschliessen.
Weshalb aber hat Juckers Reise jetzt nach Näfels geführt? Er erklärt: «Ich spürte, dass die Zeit reif ist, um etwas für das Leben nach dem Volleyball zu suchen. Ich wollte einen neuen Schritt machen und arbeiten.» Ein Job im Portfolio-Management war sein Wunsch. Er erzählt: «Ich schaute mit Volley Näfels, ob dies hier möglich wäre. Präsident Martin Landolt unterstützte mich und stellte den Kontakt zur Glarner Kantonalbank her. Es klappte, ich habe jetzt einen befristeten Praktikums-Job mit einem 80%-Pensum im Portfolio-Management bei der GLKB.»
Das falsche Bild korrigiert
Das neue Leben Juckers mit Arbeiten und Sport, dazu das Studium, sei mental und körperlich streng, doch er relativiert sogleich: «Hier bin ich glücklich und zufrieden.» Dazu nennt er viele Gründe: Wie sie hier aufgenommen wurden, die Unterstützung durch Caro, der Partnerin von Präsident Landolt, das Wohnen in einer coolen Spieler-WG, der super aufgestellte Verein und die schöne Umgebung. «Wir haben alles, was wir brauchen. Es passt. Auch Teammanager Ivan Bedrac macht viel, dafür sind wir dankbar», sagt er. Sein Bild vom Glarnerland musste er jedoch revidieren: «Es ist überraschend schön hier, nicht so neblig wie ich das vorher immer empfand.»
Zur Frage nach seinen Hobbys sagt er: «All meine früheren Hobbys wie Volleyball, Fitness und das Analysieren von Unternehmen und Handeln mit Wertschriften sind jetzt mein Beruf. Ich könnte es nicht besser haben.» Wenn aber irgendwann die Zeit dafür reicht, möchte er gerne wieder ein Instrument spielen, wie früher, als er Cello und Schlagzeug spielte.
Mathis Jucker, den sie im Team Thys nennen, mag es ruhig. Sorgen und Ängste sind kein Thema für ihn. «Ich versuche nur an Sachen zu denken, die ich beeinflussen kann. Um den Rest mache ich mir keine Gedanken», sagt er. Wichtig sind ihm Familie und enge Freunde und soziale Aspekte, auch im Volleyball, anders als früher, als er von Erfolgen und der Profikarriere träumte. Sein Motto heute lautet: «Wenn ich etwas mache, dann bin ich mit hundert Prozent bei der Sache. Daneben aber chille ich gerne, nehme es, wie es kommt und schaue das Leben humorvoll an.»
































































































