Dienstag, 3. Dezember 2024; 08:00
NLA

Abstecher auf einen anderen Kontinent: Warum Volley Näfels für ein Europacupspiel nach Afrika reist

Von: Paul Hösli

Afrika statt Amriswil: Die Näfelser Volleyballer bestreiten ein aussergewöhnliches Auswärtsspiel. Die Spieler freuen sich auf das Abenteuer – der Vereinskassier weniger


Im Achtelfinale des Europacups trifft Volley Näfels am Dienstagabend um 18 Uhr auf Melilla. Die Näfelser müssen also nach Afrika reisen. Sechs Antworten von Teammanager Ivan Bedrac zum Abenteuer der Glarner.

Wo genau liegt Melilla?
Melilla ist eine Stadt Spaniens, liegt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste und grenzt direkt an Marokko. Die Exklave auf dem afrikanischen Kontinent erlangte 2022 traurige Berühmtheit. Im Juni versuchten fast 2000 Migrantinnen und Migranten, die meterhohen Zäune von Melilla zu überwinden, um nach Europa zu gelangen. Es gab mindestens 23 Tote und Hunderte Verletzte. Der Vorfall machte weltweit Schlagzeilen als «Tragödie von Melilla».
Melilla liegt etwa 150 Kilometer östlich der Strasse von Gibraltar und hat rund 85’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Sie ist neben Ceuta eine von zwei spanischen Enklaven in Nordafrika.

Wie lange dauert die Reise?
Die Näfelser Spieler und der Staff, 16 Personen insgesamt, sind am Montag in Näfels um 5.45 Uhr nach Zürich-Kloten losgefahren. Einen Direktflug nach Melilla gibt es nicht. Daher flogen die Glarner zuerst nach Madrid und von dort in die spanische Exklave. Ankunft auf dem afrikanischen Kontinent war gegen 13.15 Uhr.
Die Reise dauert also weniger lange als diejenige in der ersten Runde des Wettbewerbs. Mitte November reisten die Näfelser mit dem Bus in die Slowakei. Rund 13 Stunden dauerte ein Weg. «Da wir dieses Mal umsteigen müssen, haben wir die Spieler darum gebeten, die wichtigsten Utensilien ins Handgepäck zu nehmen. Wie etwa das Trikot», erklärt Teammanager Ivan Bedrac. Eine weitere Schwierigkeit sei es gewesen, für alle einen Platz im gleichen Flieger zu finden, da die Route nicht so oft geflogen wird. «Aber wir haben es geschafft», sagt Bedrac und lacht.

Dass die Näfelser mit dem Flugzeug anreisen, ist eine absolute Ausnahme. In der nationalen Meisterschaft nehmen die Glarner für die Auswärtsspiele in Lausanne und gegen Chênois Genf den Bus, für die übrigen Partien reisen die Spieler individuell mit dem Auto an. Im Europacup ist der Bus das bevorzugte Transportmittel.
Die Rückkehr aus Melilla ist auf Mittwoch um 13.30 Uhr geplant. «Wir werden also auch da sehr früh aufstehen müssen», so Bedrac. Am Wochenende erwartet die Näfelser dann das Duell mit Leader Schönenwerd.

Was passiert vor Ort?
Nach der Ankunft am Montag gab es einen Lunch, um 18 Uhr ein Videostudium des Gegners und von 19.30 bis 21 Uhr ein erstes Training, um sich an die Gegebenheiten vor Ort zu gewöhnen. Morgen Dienstag ist Spieltag, der mit einem Frühstück beginnt, von 11 bis 12 Uhr ist das Abschlusstraining. Das Spiel findet dann um 18 Uhr im Pabellón Javier Imbroda statt, die Halle fasst rund 3000 Menschen

Was bedeutet das Abenteuer finanziell?
Volley Näfels kämpft seit Längerem mit finanziellen Problemen. Das Los Melilla ist für die Glarner diesbezüglich eher ungünstig. «Auch weil wir Schweizer sind», sagt Bedrac. Der Teammanager erklärt weshalb: «Personen aus EU-Mitgliedsstaaten bekommen Fördergelder, wenn sie nach Melilla reisen, um den Tourismus anzukurbeln.» 50 Euro erhalten Menschen, welche mindestens zwei Nächte in Melilla verbringen. Die Reise in die spanische Exklave in Afrika kostet den Verein rund 18’000 Franken, der Trip in die Slowakei kostete etwa ein Drittel davon. Bedrac relativiert aber: «Wir haben uns entschieden, im Europacup mitzuspielen. Es ist nun mal so.»
Bedrac räumt ein, dass es finanziell nach Mailand oder etwa Graz, zwei weitere Teams im Achtelfinale des Wettbewerbs, sicher günstiger gewesen wäre. Und dennoch, Melilla sei finanziell noch das bessere Los der beiden infrage gekommenen Gegner für Näfels in diesem Achtelfinale. «Hätte Melilla in der ersten Runde verloren, hätten wir auf den Azoren gespielt. Und diese Flüge sind alles andere als günstig», erklärt Bedrac. Also doch noch Glück im Unglück für die Näfelser.

Wer hat die Reise organisiert?
Ivan Bedrac ist der «Tätschmeister» für das Abenteuer in Melilla. «Grundsätzlich spielt es keine Rolle, ob wir mit dem Bus anreisen oder dem Flugzeug. Wir haben eine Partnerschaft mit einem Reisebüro, welches jeweils alles für uns abklärt», so Bedrac. Da Melilla zu Spanien gehört, benötigen die Näfelser auch keinen Pass und kein Visum. Dennoch, langweilig ist es Bedrac in den letzten Tagen wohl nicht gewesen.

Eine schöne Randgeschichte gibt es zu Mariano Giustiniano zu erzählen, dem argentinischen Neuzugang bei Volley Näfels. Er hat drei Jahre in Melilla gespielt. «Er freut sich natürlich sehr auf die Rückkehr, da er dort noch viele Leute kennt», sagt Bedrac. Alle Spieler würden sich aber auf den Europacup-Trip freuen. Einfach aus dem Grund, weil es Europacup sei. Bedrac sagt dazu: «Diese Spiele sind immer attraktiv und ein Abenteuer.»

Wie stehen die Chancen von Volley Näfels auf ein Weiterkommen?
Melilla ist auf dem Papier besser einzustufen als Näfels. «Derzeit läuft es den Spaniern in der Meisterschaft aber auch nicht wie geschmiert», so Bedrac. Melilla liegt in der Zwölferliga auf Rang 7, beweist aber aufsteigende Form und hat drei der vier letzten Spiele gewonnen. Ivan Bedrac ist sich der sportlichen Aufgabe bewusst. «Sagen wir es so, es ist ein herausforderndes Los», umschreibt er es vorsichtig.

Im Europacup gibt es immer ein Hin- und ein Rückspiel, am 18. Dezember empfangen die Näfelser Melilla in der Lintharena. «Zwei Sätze auswärts zu gewinnen, wäre schön und würde uns eine gute Ausgangslage bescheren», so Bedrac. Gewinnen sei natürlich noch besser, ergänzt er lachend.

Daumen hoch: Die Spieler von Volley Näfels sind vor dem Abflug nach Melilla frohen Mutes

Melilla liegt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste, vis-à-vis von Spanien

Ein Weg dauerte 13 Stunden: In der ersten Runde trafen die Näfelser auf Komárno in der Slowakei, die Spieler wie Nathan Broch reisten mit dem Bus an.

Unter Palmen: Die Spieler und der Staff von Volley Näfels sind am Montag nach dem Mittag in Melilla angekommen

Er hat die Reise organisiert: Ivan Bedrac ist Teammanager bei Volley Näfels