Samstag, 28. April 2018; 19:58
NLA

Teammanager Ruedi Gygli erlebte eine Saison mit grossartigen Momenten

Von: Köbi Hefti

Biogas Volley Näfels hat zwar keinen Titel gewonnen, erlebte aber eine ausgezeichnete Saison. Teammanager Ruedi Gygli schaut im Interview auf diese Augenblicke zurück, verrät aber auch, was ihn ärgerte.


Ruedi Gygli, sie sagten vor der Saison, dass sie zufrieden sein würden, wenn der Cup- und Play-off-Final erreicht würden. Ein Titelgewinn wäre gar absolute Spitze. Sie müssten also zufrieden sein mit der abgelaufenen Saison? 
Ja, diese Saison können wir als Erfolg einstufen, obwohl der seit einigen Jahren ersehnte Meistertitel nicht kam. Wir sind sehr zufrieden. Jetzt heisst es aber: Auf zu neuen Taten.

Es war eine Saison reich an Höhepunkten mit zwei Finalteilnahmen, dem Ausschalten des amtierenden Meisters im Play-off-Halbfinal und des neuen Meisters LUC im Cup-Achtelfinal. Dazu kommt das Erreichen des Viertelfinals im Europacup. Welches war für Sie der grossartigste Moment?
Für mich war dies der Europacup. Erstmals kamen wir soweit und schlugen dabei nicht irgendwelche Mannschaften, sondern mit Karlovarsko jene Mannschaft, die im Play-off-Final 2:0 führt und kurz vor dem Titel steht. Wer weiss, vielleicht haben wir den Tschechischen Meister ausgeschaltet und damit etwas erreicht, das es in der Geschichte des Schweizer Volleyballs bisher noch nie gab. Weiter war die Reise nach Surgut ein eindrückliches Erlebnis. Aber auch der Sieg gegen LUC im Achtelfinale des Cups war eine grosse innerliche Genugtuung. Ebenso betrachte ich den Sieg Play-off-Halbfinal gegen Amriswil nach der klaren Niederlage im Cupfinal als Überraschung und Höhenpunkt.

War der Halbfinal gegen Amriswil auch spielerisch das Beste, was Biogas Volley Näfels in dieser Saison zeigte?
Nein, wir erreichten im Europacup gegen die Tschechen und Russen unser bestes Niveau. Gegen Amriswil überzeugten wir mit Kampf-Volleyball – die Spieler wollten diesen Sieg unbedingt.

Biogas Volley Näfels hatte ein breites Kader. Trotzdem fehlte am Ende und nach über vierzig Ernstkämpfen die Energie. Wurde Näfels Opfer seines eigenen Erfolgs?
Das ist schwierig zu analysieren. Ich erwähnte es schon mehrfach, dass wir viele Matches hatten, was viel Energie kostete. Man könnte zwar meinen, dass für einen Final nochmals Reserven angezapft werden können, doch dies gelang nicht. In den drei Finalspielen spielten wir in allen Belangen nicht annähernd so gut wie im Europacup. Ja, so gesehen wurden wir vielleicht ein Opfer unseres Erfolgs, konnten uns nicht im gleichen Mass nur auf den Meisterschaftsfinal fokussieren, wie dies Lausanne seit Beginn dieses Jahres konnte.

Trainer Polak wollte mit einer attraktiven Spielweise begeistern und wieder mehr Zuschauer in die Halle locken. Ist das gelungen?
Ich glaube, dass wir zeitweise, attraktiv und schnell spielten. Ob wir damit mehr Zuschauer mobilisierten, ist gut möglich. Jedenfalls hatten wir mehr Zuschauer als im letzten Jahr. Dies könnte aber auch auf den Erfolg und die sympathischen Spieler zurückzuführen sein.

Im SGU waren, abgesehen vom Europacup, nur wenige Spiele mit einer grossen Affiche zu sehen. Unbestritten dazu gehörten der Play-off-Halbfinal gegen Amriswil und der Cup-Halbfinal gegen Chênois. Sonst musste Näfels aber häufig auswärts oder in Glarus antreten. Das muss Sie doch etwas ärgern?
Ja, das ärgert schon etwas. Böse aufs SGU bin ich deswegen aber nicht, denn auch das Sportzentrum muss seine Philosophie leben. Aber dass wir nur wenig echte, attraktive Spiele in Näfels austragen konnten, ist für sehr viele Leute ein Dorn im Auge. Das sah man beispielweise im Finalspiel in der Kanti. Wir richteten zwar eine schöne Halle mit viel Fronarbeit ein, doch beim Spiel fehlten Zuschauer, die man sonst bei jedem Spiel im SGU sieht. Ja, es fuchst mich immer, wenn wir nicht im schönen Ambiente des SGU spielen können.

Der Modus mit drei Qualifikationsrunden, welche sich über fünf Monate in die Länge zogen, war oft wenig attraktiv. Besteht Hoffnung auf eine Modus-Änderung, damit die heisse Phase der Meisterschaft nicht mehr derart gedrängt über die Bühne gehen muss? 
Zuerst möchte ich erwähnen, dass uns dieser Modus benachteiligte – in der dritten Runde musste wir gegen die drei Spitzenteams Amriswil, LUC und Chênois stets auswärts antreten. Das ist einerseits sportlich unfair, anderseits fehlen die attraktiven Heimspiele, welche die Zuschauer gerne sehen. Dies missfällt mir. In der nächsten Saison bleibt alles unverändert, die Spielpläne sind bereits erstellt. Wir arbeiten jedoch daran um danach etwas zu ändern. Bisher schaute man beim Spielplan mehr auf die Teams ohne grosse Ambitionen, ich bin aber der Meinung, man müsste unbedingt mehr auf jene Teams schauen, die im Volleyball auch etwas bewirken.

Swiss Volley spricht immer davon, seinen Sport weiterbringen zu wollen. Doch der diesjährige Modus trug dazu nicht viel bei…
Nein, absolut nicht. Der Versuch, den Halbfinal in Zukunft als Best-of-5 auszutragen, wurde eben vor wenigen Wochen erneut abgelehnt. Das ist traurig, aber wahr. Der aktuelle Modus müsste gemäss Entscheid noch drei weitere Jahre hinhalten. Immerhin können wir im kommenden Herbst neue Vorschläge für einen klugen Modus unterbreiten.

Biogas Volley Näfels wollte in diesem Jahr mit vielen Schweizern Gas geben. Wie fällt Ihr Urteil über die Schweizergarde aus?
Da kann ich nur ein positives Feedback geben. Alle Schweizer sind Nationalspieler, gar Stammspieler. Passeur Reto Giger hat sich in den zwei Jahren bei Näfels sehr gut entwickelt. Thomas Brändli, der letztes Jahr in Amriswil beinahe versauerte, blühte bei Näfels richtig auf. Im Vergleich mit den drei anderen Spitzenteams waren wir mit derart vielen Schweizern sehr gut aufgestellt und der erfolgreichste Verein.

Die beiden Junioren Kai Aebli und Nico Süess haben den Schritt in die NLA geschafft und einen guten Eindruck gemacht. Wie sehen Sie dies?
Dass die beiden in nur einer Saison den Sprung schafften, war eine der erfreulichsten Sachen der gesamten Saison. Vor allem Kai Aebli, der nach der Verletzung Reto Gigers in die Hosen musste, machte seine Sache sehr gut. Wir dürfen stolz sein, dass wir zwei echte Eigengewächse in der NLA haben.

Welche Zeugnisse stellen sie den ausländischen Profis aus?
Konrad Formela kam von der polnischen Junioren-Nati zu uns, ist mit 23 Jahren noch jung. Er bewies sein Potenzial auf einer schwierigen Position. Es fehlte ihm noch an Erfahrung im Vergleich etwa zu einem Prével. Ich sehe ihn aber positiv. Dominik Fořt hatte wie schon letztes Jahr eine sehr undankbare Rolle, kam als Edeljoker aufs Feld, wenn es nicht lief. Dies machte er hervorragend. Fabian Martinez ist das fünfte Jahr bei uns. Wir hofften, dass er dieses Jahr den Durchbruch zum absoluten Spitzenspieler schafft. Auf dem internationalen Parkett bewies er, wozu er fähig ist, versagte dann aber am Ende der Saison, hatte Mühe, wenn die Bälle nicht perfekt zu ihm kamen, was ich sein grösstes Manko einstufe. Ähnlich fällt mein Urteil über Kuba Radomski aus.

Haben Sie einen Verdacht, weshalb die Ausländer solchen Leistungsschwankungen unterworfen waren?
Ich kann nicht sagen, woran das liegt. Von aussen betrachtet hatte ich manchmal den Eindruck, dass ein Kuba Radomski verletzt sei, Probleme mit der Schulter habe, haute dann aber handumgekehrt nur Tage später wieder voll drauf, servierte im Training extrem gut, im Spiel aber überhaupt nicht. Ein Grund dieser Schwankungen könnte bei ihm wie auch den anderen im mangelnden Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu finden sein.

Waren die beiden Polen manchmal auch etwas Diven?
Bei Formela lässt sich dies schon etwas sagen. Kam ein Ball nicht wunschgemäss zu ihm, zeigte er schon, dass dies ihm nicht passte. Er liess manchmal auch durchblicken, dass er lieber in einer besseren Liga spielen würde. Kuba Radomski dagegen erlebte ich nicht so.

Mit Marc Müller hat Näfels für den physischen Bereich einen professionellen Trainer engagiert. Wie wichtig stufen Sie diese Erweiterung des Trainerstabes ein?
Das war ein guter Schritt. Vor allem für die beiden jungen war das sehr hilfreich. Bereits ab Mai startet Marc Müller erneut ein individuell auf sie abgestimmtes Athletik-Programm.

Näfels muss zahlreiche Abgänge verkraften. Samuel Ehrat zügelt nach Basel und wechselt zu Schönenwerd, Thomas Brändli kehrt heim zu Amriswil, Marc Walzer und Manu Sutter hören auf und Reto Giger liebäugelt mit einem Vertrag im südlichen Nachbarland. Wissen Sie schon, welche Spieler auch im kommenden Jahr bei Näfels spielen werden?
Wir wussten, dass Walzer und Sutter aufhören könnten. Dass Samuel Ehrat nach so langer Zeit bei Näfels etwas Neues versucht, verstehe ich sehr gut. Reto Giger würde gerne ins Ausland, hat gezeigt, dass er dazu fähig ist. Ich würde es ihm sehr gönnen, wenn klappen würde. Enttäuscht bin ich von Thomas Brändli, welcher sich vor einem Jahr meldete und fragte, ob er zu uns kommen könne. Nun kehrt er nach nur einem Jahr wieder zurück.

Damit hat Näfels keine Schweizer Stammspieler mehr. Wie lösen Sie dieses Problem, denn auch in der kommenden Saison müssen immer zwei in der Schweiz ausgebildete Spieler (LAS-Spieler) auf dem Feld sein?
Wir konnten uns mit Peer Harksen, dem Passeur von Volley Luzern und Libero Etienne Hagenbuch, welcher zuletzt einige Jahre in Kanada studierte, einigen. Die beiden Nationalspieler haben unterschrieben. Damit ist für uns das LAS-Problem gelöst, denn in der kommenden Saison zählt neu auch der Libero für das LAS-Kontingent. Weitere Schweizer zu engagieren ist schwierig, es gibt praktisch keine Spieler, die frei sind. Gerne würden wir Joel Roos weiter bei uns behalten. Vielleicht werden wir neben Aebli und Süess noch einen weiteren eigenen Jungen ins NLA Team integrieren.

Dass Volley Amriswil mit Thomas Brändli verhandelte und ihn unmittelbar vor dem Cupfinal drängte, sich innert weniger Tage zu entscheiden, ist für diesen Sport unüblich und belastete den Spieler und das Team. Was sagen Sie dazu?
Ja, dass man solche Deadlines zu einem solchen Zeitpunkt setzt, habe ich so noch nicht erlebt. Ich weiss nicht, ob er während dieser Zeit seinen Kopf noch voll bei der Sache und dem Cupfinal haben konnte.

Wie fühlten Sie sich, nachdem sie von diesen Vertragsverhandlungen erfahren hatten?
Es machte mich etwas betroffen und traurig. Ich mag die Leute von Amriswil, doch den Zeitpunkt der Verhandlungen empfand ich als unfair.

Wie geht es weiter? Wann dürfte das Gerüst der Mannschaft stehen?
Das Gerüst mit den Schweizern steht. Jetzt geht es darum Ausländer zu engagieren. In der Mitte werden wir wahrscheinlich drei Ausländer verpflichten. Schweizer gibt es keine, ausser einem Mittelangreifer, der aufhören wollte, eventuell aber noch eine Saison anhängt und zu Näfels wechselt Auf Aussen und Diagonal ist noch alles offen. Für diese Positionen will ich zuerst zusammen mit Dalibor Polak eine Analyse machen.

Darf gehofft werden, dass Biogas Volley Näfels auch in der kommenden Saison wieder vorne mitmischen kann oder muss man sich im Glarnerland abfinden, dass man nur noch kleine Brötchen backen kann?
Noch ist die finanzielle Situation nicht ganz geklärt. Ich stehe für Spitzenvolleyball in Näfels und bin zuversichtlich, dass wir auch in der kommenden Saison eine schlagkräftige Mannschaft sehen werden.

Gibt es noch etwas, das Sie ergänzen möchten?
Ich danke allen, die uns in dieser Saison unterstützt haben. Sponsoren, Kanton und Gemeinde, Lintharena, Helfer, Zuschauer und Fans haben alle sehr viel dazu beigetragen, dass Biogas Volley Näfels wieder eine durchaus erfolgreiche Saison erleben durfte. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn der Umbau des SGU genehmigt würde, obwohl unseren Wünschen nach einer Volleyball-gerechten Halle nicht entsprochen wurde.

 

Silber gewonnen: Näfels ist Vize-Meister – doch so richtig freuen sich unmittelbar nach dem verlorenen Final nur wenige

Danke Sämi: Captain Ehrat - seit 2011 bei Näfels – verabschiedet sich vom Glarnerland Richtung Basel und Schönenwerd

Kai Aebli: Seine Debüt in der NLA war mehr als verheissungsvoll – well done Kai!

Nico Süess: Er durfte in seiner ersten NLA Saison mehr spielen als er sich das selber ausrechnete. Es war der verdiente Lohn für sein hartes Arbeiten. Toll gemacht Nico

Schluss – fertig: Marc Walzer und Manu Sutter sagen „Tschüss“ – sie prägten Näfels in den letzten Jahren und verdienen dafür ein grosses Lob und Dankeschön

Verletzung mit Folgen: Reto Giger steigerte sich in dieser Saison gewaltig und war massgeblich am europäischen Höhenflug von Biogas Volley Näfels beteiligt. Seine Fussverletzung - erlitten im Viertelfinal in Surgut - stoppte ihn und mit ihm auch die Näfelser Titelträume

Wohin des Weges: Die Verstärkung aus Polen hielt nicht immer, was drauf stand und deshalb stellt sich die Frage, wohin die Reisen von Kuba und Koni führen werden

Höhe- und Tiefpunkt zugleich: Thomas Brändli entwickelte sich vom Amriswiler Bänkli-Drücker zum Näfelser Key-Player. Entsprechend enttäuscht ist der Teammanager, dass Thomas Brändli nach nur einem Jahr Näfels den Rücken zudreht und dorthin zurückkehrt, wo er vor einem Jahr beinahe versauerte.

Völlig unerwartet: Näfels wirft mit Karlovarsko, den neuen Meister aus Tschechien aus dem Europacup und geniesst diesen Erfolg in vollen Zügen

xeiro ag