Freitag, 14. Dezember 2018; 07:40
NLA

Mittelblocker Damian Hudzik plant langfristig

Von: Köbi Hefti

Damian Hudzik, der polnische Mittelblocker von Volley Näfels, begann erst vor fünf Jahren richtig Volleyball zu spielen. Sein Rückblick auf die ersten hundert Tage in der Schweiz ist vielfältig und geprägt vom schwierigen sportlichen Start und den Vorzügen seines neuen Domizils.


Damian Hudzik fällt im Team von Volley Näfels nicht nur durch seine Körpergrösse von 2.04 Meter und seine Statur auf, sondern auch mit seiner enormen Höhe als Mittelblocker und Angreifer. Obwohl er mit zwanzig Jahren noch sehr jung ist, zählt er zu den Teamstützen der Glarner. Letztes Jahr spielte er in der zweiten Division in Polen bei Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien. Es war seine erste Saison als Volleyball-Profi. Er verfolgt seine Ziele konsequent und brach deshalb sein Physiotherapie-Studium ab. Er erklärt: „Ich entschied mich für den Sport. Mein Ziel ist es, einmal in einer der Top-Ligen spielen zu können.“

Konrad Formelas Tipp
Der Wechsel nach Näfels ist ein erster Schritt auf dem Weg dazu. Damian Hudzik erklärt zwar, dass das Niveau in Polen sehr hoch und selbst die zweite Division besser als die Schweizer NLA sei, doch das Umfeld sei schwierig. Er argumentiert: „Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Division in Polen ist sehr gross. Das beste Team der zweiten Liga hat gegen den letzten der ersten Liga keine Chance. Die Durchlässigkeit zwischen den beiden Ligen ist sehr gering, entsprechend schwierig ist der Aufstieg in die höchste Spielklasse.“
So entschied sich Damian Hudzik für einen Wechsel ins Ausland. Weshalb er sich für Näfels entschied, begründet er folgendermassen: „Ich sprach mit meinem Landsmann Konrad Formela, der letztes Jahr in Näfels spielte. Er sagte mir, dass Biogas Volley Näfels eine sehr gute Adresse sei, ein gutes Team habe und er bei Näfels sehr glücklich war.“ Auch Damian Hudzik will sich hier entwickeln und sagt: „Näfels ist ein guter Ort um einige Jahre zu spielen, Erfahrungen zu sammeln und sich ständig zu steigern. Ich hoffe dadurch, dass ich die Chance erhalten werde um in eine bessere Liga zu wechseln, so wie dies Konrad Formela mit dem Wechsel nach Italien gelang.“

Grosses Wow
Damian Hudzik begann erst mit 15 Jahren auf Anraten seines Sportlehrers richtig Volleyball zu spielen. Vorher spielte er Fussball, gleich wie sein Vater und der zwei Jahre jüngere Bruder Mateusz, welcher seit 2017 bei den Junioren von Hellas Verona unter Vertrag steht.

Als Damian Hudzik im September in die Schweiz dislozierte, wurde er sehr freundlich empfangen. „Die Leute hier sind sehr nett und hilfsbereit“, sagt er. Beindruckt haben ihn die wunderbare Landschaft mit den Bergen, die hohen Preise in den Geschäften, wie die Schweiz funktioniert und die multi-kulturelle Gesellschaft. „Das war ein richtiges Wow für mich“, sagt er zu seinen Eindrücken und ergänzt, dass Polen diesbezüglich noch viel Aufholbedarf habe.
Auf die Frage, welches das bisher schönste Erlebnis abseits des Volleyballfeldes war, kommt der Pole ins Grübeln. Der sportliche Misserfolg zu Beginn der Saison prägte auch ihn stark und liess wenig Raum für Positives. Er erinnert sich aber sehr gerne an das Geburtstagsfest seines Teamkollegen Kai Aebli. Er schwärmt: „Das war sehr schön. Dort traf ich viel Leute und konnte mich gut unterhalten.“ Dass er diesen Moment erwähnt, widerspiegelt seinen Charakter. Er ist nicht gerne allein in seinen vier Wänden um zu gamen. Er bevorzugt das Zusammensein mit Menschen. Damit er sich auch unterhalten kann, lernt er eifrig Englisch. Im nächsten Jahr soll dann auch Deutsch ein Thema werden.

Geschichtsträchtige Heimat
Das einzige, was er hier vermisst, ist seine Familie und seine Freunde. Er pflegt jedoch einige Kontakte zu Landsleuten in der Schweiz, wie etwa dem Handballer Roman Sidorowicz von Pfadi Winterthur, dessen Familie er aus seiner Heimat kennt. Eine Heimat, die weltbekannt ist. Es ist Oświęcim, besser bekannt als Ausschwitz. Die begangenen Kriegsverbrechen in den dortigen Lagern seien in der Region auch heute manchmal noch ein Thema, besonders auch bei seiner Familie, die in unmittelbarer Nähe des Lagers wohnte, erzählt er.

Revanche für den Saison-Tiefpunkt
Derzeit liegt der Fokus bei Damian Hudzik aber ganz bei seinem Sport und Biogas Volley Näfels. Er glaubt, dass sein Team die Qualifikation auf dem vierten oder fünften Rang abschliessen kann und den Einzug in den Halbfinal schafft. Am kommenden Wochenende gastiert Luzern im SGU. Nur ungern erinnert er sich an das erste Aufeinandertreffen in Luzern. „Am liebsten hätte ich dort geweint“, erinnert es sich an diesen Tiefpunkt. Er sagt, dass das Team jetzt einen viel besseren Zusammenhalt habe und bereit sei, um diese 0:3 Niederlage in Luzern zu korrigieren. Er ist sehr optimistisch und sagt: „Das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns und ich bin zuversichtlich, dass wir diesmal gewinnen werden.“



Qualifikation: 10. Spieltag

Biogas Volley Näfels – Volley Luzern

Lintharena SGU, Näfels, Samstag, 15. Dezember 2018, 18:00 h

Damian Hudzik: Trotz seiner Jugend und seines Alters von erst 20 Jahren ist der Mittelblocker bereits eine Teamstütze von Biogas Volley Näfels

Hoch – höher – am höchsten: Beeindruckende Höhe von Damian beim Angriff

Wie ein Fels: Wenn es Damian läuft, dann wird er zum schier unüberwindbaren Hindernis für die Gegner

Innere Genugtuung: Nach einer gelungenen Aktion nimmt Damian die Gratulationen seiner Teamkollegen mit viel Gelassenheit entgegen

Entscheidend: Damian Hudzik sagt, dass es wichtig ist, dass er seinem Coach zu 100% Vertrauen kann

Fussballer bis 15: Dieser Trick klappt beim ehemaligen Fussballer Hudzik auch mit dem Volleyball

xeiro ag